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Eigentlich wollte Merton Max Gill ( - ) ein Lehrbuch über die psychoanalytische Theorie und Praxis schreiben, läßt er uns Leser im Vorwort wissen. Als er schließlich ein Manuskript von einigen hundert Seiten beisammen hatte, gab ihm sein Lektor »in gewohnter Schärfe« (S. 9) den Rat, »das Buch lebendiger zu gestalten und ihm vor allem eine persönlichere Note zu geben«. Ganz offensichtlich hat Gill dies beherzigt, und das kennzeichnet auch seine Stärke, bei aller persönlichen Ge- und Betroffenheit konstruktiv mit Kritik umgehen zu können. Gill hat Zeit seines Forscherlebens nicht mit kritischen Äußerungen gespart, er hat kräftig ausgeteilt und nicht weniger eingesteckt, und man kann erahnen, wieviel libidinöse Besetzung eine kontroverse Diskussion für ihn hatte. Sicher würde er hier meinen Bezug zur Triebenergetik, die er für einen Irrtum hielt, entschieden und lustvoll zurückweisen. Seine Lust am Disput vermittelte sich mir persönlich über die Tonbandaufnahmen einer Diskussion zwischen ihm und Lester Luborsky über ihren jeweiligen »Übertragungsbegriff« auf der Ulmer »Werkstatt für empirische Forschung in der Psychoanalyse« 1985, ein Highlight der psychoanalytischen Streitkultur, vergleichbar Gills schriftlichem Austausch mit Wallerstein 1984. Gills letztes Buch ist im besten Sinne des Wortes eine »persönliche Betrachtung« geworden. Stellenweise ist es zwar trocken, sehr theoretisch und nur schwer zu verdauen, beispielsweise wenn Gill über Metapsychologie oder die Versuche schreibt, Realität im Sinne eines konstruktivistischen Erkenntnismodells zu betrachten. Dann wieder ist es so leicht und gespickt mit persönlichen Anekdoten, daß man fast vergißt, welche gewichtigen Themen Gill soeben bespricht, z. B. die Frage der Nachanalyse des Analytikers (S. 161), die freie Assoziation (S. 126) oder die Frage der »Neutralität« bzw. der »realen Beziehung« zwischen Analytiker und Patient nach Beendigung der Analyse (S. 177), um nur unsystematisch einige herauszugreifen und auf de