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Dieses Buch, das Aufsätze zum Antisemitismus und zu (Spät-)Folgen des Nationalsozialismus vereinigt, durchzieht eine bemerkenswerte, einzigartige Spannung: Die Geschichte des Judenhasses, der Nationalsozialismus und die Shoah können einerseits als eine ungeheuerliche Traumatisierung der Juden (als Andere und Fremde) verstanden werden. Dieses Geschehen bleibt aber sinnentleert, wenn andererseits nicht gesehen wird, daß mit der Diskriminierung, Erniedrigung, Verfolgung und Ermordung des Anderen und Fremden ein ursprünglicher und elementarer Akt der Selbsterniedrigung und Selbstzerstörung sich selbst angetan wird — »ein öffentlicher Harakiri« (F. Hebel, »Humanität: Ein gescheiterter Versuch?«, 1991, S. 165). Wie mir scheint, ist es gerade die den in diesem Band versammelten Aufsätzen gemeinsame inhärente Dialektik, aus der die Lektüre ihre Spannung bezieht und die den Leser für die Frage der Geschichte als Trauma, und d. h. für deren (Spät-)Folgen, zu interessieren, ja: zu involvieren vermag, ihn »dazwischen-sein-zu-lassen«.
So wird dieses in einer ersten Auflage im Jahre 1991 erschienene Buch tatsächlich zu einer Festschrift für Hans Keilson zu seinem 80. Geburtstag (er feiert in diesem Jahr, im Dezember 1999, seinen 90. Geburtstag); eine Festschrift, in der wissenschaftlich unterschiedlich identifizierte Autoren — Psychoanalytiker, Psychiater, Literaturwissenschaftler und Historiker — sich gleichsam stillschweigend um die Person Hans Keilsons und sein Werk zentrieren und es in seiner Vielfältigkeit und seinem Reichtum reflektieren. Denn selten noch hat ein Psychoanalytiker nach Freud in seinem Werk so deutlich gemacht wie Keilson, daß psychoanalytische Erkenntnisse wie die Knotenpunkte eines Netzes auf andere wissenschaftliche Disziplinen, auf Literatur, Kunst und Religion, verweisen.
Dies kann in der Rezension eines Sammelbandes mit über 14 Beiträgen natürlich nur exemplarisch und an einer für mich zentralen Dimension von Geschichte als Trauma fokussiert werden. Dierk