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In den 80er Jahren ist in der Bundesrepublik eine neue politische Rechte entstanden. Das Spektrum ist breit. Es beginnt bei der brachialen Szene der Neonazis und Skinheads und reicht bis zu den intellektuell gestimmten Gruppierungen in Nadelstreif, die, rhetorisch abgegrenzt von den Schlägern der Straße, am rechten Flügel der FDP und der Christlichen Union agieren. Auftrieb haben rechtsextreme Kräfte auch in anderen Ländern Europas bekommen, z. B. in Österreich, Frankreich oder Italien. Trotz Europäischer Einigung zeigt dies, wie lebenskräftig sie sprudeln — die trüben Quellen von Fremdenfeindlichkeit und Seperatismus.
Zu diesem Thema ist ein interessanter Sammelband erschienen: Das Faschismus-Syndrom. Zur Psychoanalyse der Neuen Rechten in Europa. Die Beiträge sind aus einem Vortragszyklus hervorgegangen sowie aus einer Internationalen Tagung, die 1996 in Zürich stattgefunden hat. Herausgeber des Bandes ist Emilio Modena, vielen als Psychoanalytiker, Forscher und Autor bekannt, der den am Unbewußten geschulten Blick nicht nur auf Patienten richtet, sondern auch auf Entwicklungen in Gesellschaft und Politik.
Im ersten Beitrag äußerst sich die Berliner Psychologin Angelika Ebrecht über die politische Kultur der Bundesrepublik und deren psychologische Voraussetzungen. Die Deutschen hatten 1945 ihre umjubelten Führer verloren und wurden jäh aus politischer Verblendung gerissen. Das Gros der Deutschen war bekanntlich nicht imstande, Scham und Schuldgefühle ob der Nazi-Verbrechen zu empfinden, weder privat noch in der Öffentlichkeit. Schaden nahm daran nicht nur die Generation der Täter und Interessiert-Ahnungslosen. Beeinträchtigt wurde auch die nachwachsende Generation. Der Bann des »kommunikativen Schweigens« hat es verhindert, den Jungen mehr als eine bruchstückhafte, mehrdeutige Gewissenslage zu vermitteln. In der Bundesrepublik, so führt Angelika Ebrecht aus, ist nicht entstanden, was ein stimmiges, stabiles Kultur-Über-Ich genannt werden dürfte. Es fehlt das Gewisse