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Zwar spielen in der wissenschaftlichen Diskussion Affekte gegenwärtig wieder eine große Rolle, aber es fällt doch auf, daß sie durch viele Definitionen gleichzeitig »kleingehalten« werden. So gelten sie als bloß somatische Vorgänge oder als genetisch festgelegte Ausdrucksweisen, als reine Sinnesmodalität oder bloßer Ausdruck zerebraler Aktivitäten. Affekte sind ein Spezialfall, sauber abgegrenzten Symptomen vergleichbar.
Solch eingeengtem Verständnis hat der Schweizer Psychiater Ciompi seit langem widersprochen. Berühmt geworden ist sein hilfreiches Konzept einer »Affektlogik«, wonach Affekte sich mit ihnen eigenen logischen Modi verknüpfen, die dann Denken und Verhalten prägen. Auf diesen Überlegungen aufbauend, erweitert er in seinem neuen Buch jetzt diese Idee zu einem Affektuniversalismus: als bewußte und unbewußte ganzheitliche psychophysische Gestimmtheiten, also als »psycho-somatische« Konstrukte im körperlich-seelischen Übergangsbereich prägen sie alles Seelenleben. Sie sind die entscheidenden Energielieferanten und Motoren oder Motivatoren aller kognitiven Dynamik: sie bestimmen den Fokus der Aufmerksamkeit; sie sind Schleusen, die den Zugang zu unterschiedlichen Gedächtnisspeichern regeln; sie schaffen seelische Kontinuität; sie bestimmen die Hierarchie unserer Denkinhalte und sind eminent wichtige Komplexitätsreduktoren.
All dies gelingt ihnen nach Ciompi vor allem aufgrund spezieller »Inprint-« Fähigkeiten: die Grundgefühle und ihre zahllosen Abwandlungen sind »Operatoren«, die spezielle Logiken erzeugen und sich mit diesen zu »affektlogischen« Einheiten, zu »Trauer-«, »Wut-«, »Angst-«, »Freude-« oder auch »Alltagslogiken« zusammenschließen. Diese wiederum beeinflussen alles Wahrnehmen, Erinnern und Verhalten. Außerdem erweitert Ciompi Wirkung und »Arbeitsbereich« der Affekte. Es geht nicht mehr um eine bloße »Taktik der Gefühle«, wie sie Balzac beschrieben hat. Affekte gestalten nun die menschlichen Beziehungen so, daß sie als ein »fundamentales Element j