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In Wünschen und den Erfüllungsphantasien, die sie wecken, liegt eine Quelle menschlichen Glücks. Das Wünschen gehört nicht zuletzt als eine Tätigkeit, die ihren Zweck in sich selbst haben kann, zur conditio humana. Dies ist eine der zentralen Behauptungen Brigitte Boothes, die ihre Auffassung in der terminologischen Unterscheidung zwischen dem Wunsch und der Absicht (bzw. dem Willen) verwurzelt sieht. Absichten sind zukunftsorientiert und handlungsbezogen, und auch der Wille drängt auf praktische Selbstbehauptung oder Selbstbestimmung. Absicht und Wille sind an das Realitäts- und Rationalitätsprinzip gebunden. Sie gehören zu einem als vita activa begriffenen Leben. Dem Wunsch dagegen sind die Bedingungen erfolgreichen Handelns einerlei. Er ist Bestandteil einer eigenständigen vita »imaginativa«. Er malt sich halluzinatorisch Situationen seiner Erfüllung aus, bedauert nostalgisch verpaßte Chancen, schwelgt im Gelände phantastischer Szenarien.
Ich kann die vielen Fäden, die in Boothes vielschichtiger Abhandlung verfolgt werden, hier nicht aufgreifen (z. B. die Auseinandersetzung mit Freud und Grünbaum oder die wichtigen Bemerkungen zum psychoanalytischen Verstehen). Betrachtet man die anderen Beiträge im Lichte der getroffenen Grundunterscheidung, zeigt sich, daß die Differenzierung zwischen Absicht/Wille und Wunsch bedenkenswerten Einwänden ausgesetzt ist. Der Wunsch ist zwar tatsächlich in einem Ausmaß frei, daß der Gedanke, von dem dies gemeinhin behauptet wird, bei näherem Hinsehen fast nur noch als Anhängsel soziokultureller Werte, Normen und Imperative erscheint. Muß man aber den Wunsch vom tätigen Leben derart kategorisch abkoppeln, wie Boothe das tut?
Klaus Rink verneint diese Frage in seinem motivations- und handlungstheoretischen Beitrag, der sich vor allem auf das Rubikon-Modell (Heckhausen, Kuhl, Gollwitzer u. a.) stützt. Das Wünschen muß zwar nicht mit späteren Handlungen in Zusammenhang stehen, kann es aber sehr wohl. Bei Rink steht der Wunsch für die Wert