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Die erste große Freud-Biographie von Ernest Jones aus den fünfziger Jahren ist bekanntlich nicht unumstritten. Riccardo Steiner reflektiert zunächst die methologischen Probleme, mit denen Jones, der in der Tradition der englischen Biographieforschung stand, als erster autorisierter Freud-Biograph bei der Erstellung seines Werkes konfrontiert war. Welches Freud-Bild vermittelte er? War es das einzig mögliche? Anhand von unveröffentlichten Briefwechseln, die Jones während seiner Arbeit an der Freud-Biographie mit anderen Analytikern führte — Siegfried und Suzanne Bernfeld, Marie Bonaparte, Kurt Eissler, Anna Freud, James Strachey — beschreibt Steiner die zahllosen bewußten und unbewußten Motive der Beteiligten — einschließlich Jones' eigener Ambivalenz gegenüber Freud — sowie die Auslassungen und Kompromisse, zu denen Jones vor allem in der Auseinandersetzung mit Anna Freud sich gezwungen sah: All diese unterschiedlichen Versionen des »realen« Freud verdichteten sich zu einem mythischen Freud-Bild. Steiner sieht in den Freud-Archiven das kollektive Gedächtnis derjenigen versammelt, die, neben dem privaten Kult der Freud-Familie, einen neuen Mythos des Begründers der Psychoanalyse geschaffen und zu einer mythischen Historiographie der Psychoanalyse insgesamt beigetragen haben.