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Die akademische Psychologie hat die Psychoanalyse nie als gleichberechtigte wissenschaftliche Disziplin respektiert. Sie wurde als unwissenschaftlich abgewertet, als Handwerk für die Praxis; allenfalls aus heuristischen Gründen für geeignet befunden, um für künftige empirische Forschung Hypothesen zu generieren. Die Psychoanalyse ihrerseits sieht in ihrer tiefenhermeneutischen Orientierung wissenschaftstheoretisch wenig Anlaß, sich auf statistisch auswertbare empirische Untersuchungen einzulassen. Um so höher ist es daher zu schätzen, daß sich empirisch forschende Psychologen für die von dem Psychoanalytiker Bowlby in drei wichtigen Büchern niedergelegten Einsichten über Bindung, Trennung und Verlust interessieren. Aus dessen Hypothesen wurden statistisch abgesicherte Ergebnisse einer Bindungsforschung, wie sie vor allem von dem Ehepaar Großmann an der Universität Regensburg vorangetrieben wurde. Darin ist erwiesen, daß sich »sicher gebundene« Kinder positiv und »unsicher-vermeidend gebundene« negativ entwickeln und zu »desorganisierender Repräsentation« neigen. Unser ganzes Gefühlsleben ist von stabilen bzw. instabilen Bindungserfahrungen geprägt. Ein beruhigtes Bindungssystem fördert die Exploration und Neugier. Eine bedrohte Sicherheits-Basis in der frühen Sozialisation prädestiniert dagegen zu Trennungsangst und Verlassenheitspanik im Erwachsenenalter. Die unterschiedlichen Bindungsrepräsentationen sind insofern für die Psychotherapie bedeutsam, als sich daraus spezifische Strategien ableiten lassen. »Mütterliche Feinfühligkeit« ist dabei der »gemeinsamen Nenner« des therapeutischen Vorgehens. Gleichsam als »Zähler« werden dann aber differentielle Methoden entwickelt, um, je nach erlebten infantilen Bindungserfahrungen, neue Bindungsstile zu fördern. So werden distanzierten Patienten gezielt kognitive Umstrukturierungen angeboten, so wie in ihre Elternbindung »verwickelten« Patienten die nötige Abgrenzung und selbständige Lebensführung ermöglicht wird.
So weit ge