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Seitdem in den letzten Dekaden der Diskurs über das Geschlechterverhältnis immer mehr in Gang gekommen ist, ist stets auch eine bestimmte These mit im Spiel. Der ungünstige Verlauf der bisherigen Menschheitsgeschichte, zumal der Moderne, sei — so besagt sie — wesentlich eine Folge patriarchalischer Strukturen, Männlichkeit in einer deformierten Variante habe das vielfache Mißglücken, gewaltförmige Entgleisen des Zivilisationsprozesses zu verantworten, eine stärkere Berücksichtigung des »weiblichen Elements«, von den herrschenden Kräften wohlweislich unterdrückt, würde zur Genesung der Kultur führen. So viel Plausibilität man einer solchen Ansicht — gerade in Zeiten, wo Utopien Mangelware sind — auch einzuräumen bereit ist, argumentativ einlösen läßt sie sich so leicht nicht. Da sind Versuche wie der Wilfried Gottschalchs, den »dunklen Kontinent« (S. 25) Mann im Hinblick auf typisches Vorkommen und Herkunft von Gewalt zu erforschen, nützlich, um dem Ins-Kraut-Schießen von Spekulationen klärend zu begegnen und die Diskussion über die Verbesserung der Geschlechterbeziehungen voranzubringen.
Gottschalchs Buch beabsichtigt nicht, Männlichkeit ihrer Gewalttätigkeit zu überführen und einen Schuldspruch über sie zu verhängen. Vielmehr begegnet es seinem Thema in »skeptischer Gelassenheit«. Daß die Psychoanalyse zum Gepäck seiner »Reise in die Abgründe der Männlichkeit« gehört, hat mit dieser freudianisch anmutenden Haltung zu tun. Neben psychoanalytischen vervollständigen historische und soziologische Betrachtungsweisen die Ausrüstung der Untersuchung. Gottschalch stützt sich dabei, wie man aus früheren Büchern bereits weiß, auf die von Devereux