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Der Psychoanalytiker Heinz Kohut und die von ihm gegründete Selbstpsychologie haben die Entwicklung der Psychoanalyse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erheblich beeinflußt. Obwohl Kohut nach Abklingen der ursprünglichen Begeisterung in den 70er Jahren rapide an Akzeptanz und Unterstützung innerhalb der offiziellen Psychoanalyse eingebüßt hat, und obwohl er kurz vor seinem Tod 1981 eindeutig außerhalb des Mainstream stand, besteht kein Zweifel daran, daß die von ihm initiierte Relativierung der Triebtheorie und Ich-Psychologie sowie die Entwicklung einer nicht mehr triebbezogenen Narzißmustheorie bzw. die Postulierung eines unabhängigen Selbstsystems die Psychoanalyse dauerhaft beeinflußt hat. Gemeint ist damit nicht nur, daß die Selbstpsychologie als unabhängige Richtung vielfach auch institutionell durch die Anhänger und Schüler von Kohut verankert, weiterentwickelt und differenziert wurde, sondern auch, daß der — durch die Selbstpsychologie korrigierte, umdefinierte, erheblich differenzierte — Narzißmusbegriff innerhalb der psychoanalytischen Theorie und Praxis insgesamt ein erhebliches Gewicht bekommen hat. Diese Tatsache wird durch die unzweifelhaften Errungenschaften der Objektbeziehungstheorie überdeckt, in deren Schatten die Dienste der Selbstpsychologie oft nicht richtig erkannt werden, obwohl in Wirklichkeit auch die Objektbeziehungstheorie letztlich doch erheblich von der Selbstpsychologie profitiert hat.
Diese etwas komplizierten, aber sowohl historisch interessanten und für die Psychoanalyse und ihre Anwendungen besonders wichtigen Zusammenhänge können jetzt aus der Distanz von fast 20 Jahren, nach dem Tode von Kohut, besser verstanden werden. Vor diesem Hintergrund hat Ralph Butzer in dem vorliegenden Band: Heinz Kohut zur Einführung, sich die Aufgabe gestellt, nicht nur den Nicht-Fachleuten Heinz Kohut bekannt zu machen, sondern auch den Psychoanalytikern sowohl das Schöpferische und Innovative als auch die Schwächen und Einschränkungen der Se