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Wer Mentzos' Schriften kennt, ist damit vertraut, daß für ihn seelische Krankheit immer das Ergebnis eines unbewußten psychischen Konfliktes ist. In Neurotische Konfliktverarbeitung und Psychodynamische Konzepte in der Psychiatrie hat er eindrucksvoll dargestellt, daß sowohl den leichten als auch den schweren Störungen dieselbe Ursache zugrunde liegt und daß auf die Defekttheorie verzichtet werden kann. Denn was sich als Defekt darstellt, läßt sich ebenso als das Ergebnis eines Konfliktes erkennen.
Mentzos' jüngstes Buch ist 1995 erschienen, also gar nicht mehr so jung. Und dennoch jugendlich frisch. Wie kann es anders sein, als daß er auch die Depression als das Ergebnis eines Konflikts beschreibt, sowohl die neurotische als auch die endogene Form? Er behält diese »altmodischen« Klassifizierungen bei, die im DSM-IV bzw. ICD-10 einer anderen Nomenklatur weichen mußten.
Nicht anders als bei den Neurosen ist die Depression der mißglückte Versuch, einen Konflikt zu lösen. Was an sich sinnvoll ist, hypertrophiert und erstarrt und läßt flexiblere Reaktionen nicht mehr zu. Den Konflikt bei der Depression bezeichnet Mentzos als das »elementare Dilemma«: Er meint damit die Unterwerfung unter ein äußeres oder inneres Objekt unter Verzicht auf den eigenen Wert. Dieses Beziehungsmuster kann lange unauffällig bleiben, ohne daß sich Symptome zeigen. Der Ausbruch der Erkrankung ist der Versuch, sich aus dieser Enge zu lösen, jedoch begleitet von enormen Objektverlustängsten. Das Objekt, das auch eine Sache oder einen ideellen Wert darstellen kann, hat die Funktion, das narzißtische Gleichgewicht zu stützen. Mentzos orientiert sich hier an Freuds Theorie in »Trauer und Melancholie«, geht aber dann in der psychodynamischen Betrachtung einen Schritt weiter.
Den Zugang zum Verständnis bildet das narzißtische Regulationssystem, das in einem ausgewogenen Verhältnis seiner drei »Säulen« Idealselbst, Überich und Identifizierung mit den Objekten stehen muß. Kommt es auf einer dieser Säulen z