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Von einer erstaunlichen Neuerung im Theorienkonzert des psychoanalytischen Diskurses ist zu berichten: Nicht allein das Erscheinen eines neuen Jahrbuchs für klinische Psychoanalyse
ist zu begrüßen, sondern daß es von Analytikern in der Tradition von Jacques Lacan herausgebracht wird, die sich nicht mehr scheuen, ihre theoretischen Reflexionen mit umfangreichen klinischen Kasuistiken zu illustrieren. Das Anliegen der Herausgeber ist es, die psychoanalytische Theorie »auf die Couch zurückzubringen«, dann aber auch, kulturgeschichtliche, literarische und politische »Kontexte« des psychoanalytischen »Textes« in der Kur zu berücksichtigen. Das neue Jahrbuch möchte darüber hinaus als kritisches Salz in der Suppe der institutionalisierten Psychoanalyse in Deutschland wirken, nämlich das Begehren des Analytikers, von dem jede psychoanalytische Erfahrung ausgehe, als »Unbehagen in der Psychoanalyse und ihren Institutionen«, zu formulieren — so die Herausgeber. Im ersten Band dieses Projekts gehen die Autoren dem Perversion-Konzept Lacans als einer »père-version«, einer Umdrehung des Gesetzes des Vaters und der ödipalen Ordnung mit dem Ziel der Verleugnung der Geschlechter- und Generationendifferenz und der Aufrechterhaltung des Phantasmas vom Phallus der Mutter, nach.
Als Einstieg dient ein anregender, wenn auch bereits älterer Text von Lucien Israel (), der () die Perversion so definierte: »Ich bezeichne jeden Mann als pervers, der behauptet, eine Frau zu begehren, weil sie begehrenswert ist.« Sobald die Ursache des Begehrens nämlich nicht in der eigenen Person anerkannt, sondern naturalistisch als Reaktion oder Reflex auf die Konfrontation mit dem äußeren Liebesobjekt verkannt wird, pervertiert sich das Begehren selbst (wie in der Struktur der kapitalistischen Warenproduktion und Werbung), da nunmehr beinahe jede Ungeheuerlichkeit der eigenen Wünsche als Reaktion auf den Anderen rationalisiert und gerechtfertigt werden kann. Nun läßt L. Israel keinen Zweifel daran, daß au