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Ein Buch, das den ganzen Menschen — sei er unbefangener Leser, Historiker oder Psychoanalytiker, insbesondere Kinderanalytiker — herausfordert, liegt uns vor. Nina Sutton beschäftigt sich mit einem Menschen, vor dem sie den Respekt zu verlieren drohte (S. 602). Ihren Kampf um die Verehrung des begnadeten Kinderanalytikers, als den sie Bettelheim zu Anfang ihres Interesses an seiner Person empfindet, schildert sie bis zum Ende ihres Buches in einer Weise, die den Leser nicht losläßt.
Nina Sutton gelingt es, den Leser an ihren Zweifeln um den Aufbau des Buches teilhaben zu lassen, ohne daß ihre Art gekünstelt wirkt. Ihre Entscheidung, Bettelheims Selbstmord und die Anklagen seiner ehemaligen Patienten und möglichst alle Gesichtspunkte, die damit zusammenhängen, an den Anfang des Buchs zu stellen — die »Affaire«, wie sie es nennt —, macht Autorin wie Leser frei, den Menschen Bettelheim anschließend noch einmal »ganz von vorn« neu zu erkunden.
Es ist hier nicht möglich, die zahlreichen offenen Fragen im Leben und in der Person Bettelheims zu beschreiben, die Vielschichtigkeit der Konflikt- und Beziehungsebenen, die die Autorin neben den allseits bekannten Konflikten teilweise erst selbst entdeckt hat. Erstaunlich ist jedoch immer wieder, mit welcher profunden Kenntnis der Fakten, der Schriften Bettelheims und der Archive Sutton an die Arbeit geht. Sie hat in den fünf Jahren ihrer Untersuchung eine Unzahl Zeitzeugen aus vielen Lebensepochen Bettelheims gefunden und zu erstaunlichen Äußerungen führen können — und einige auch mehrmals interviewt. Sie hat diesen Aussagen nicht nur die Schriften und Selbstzeugnisse Bettelheims, sondern auch Zeitungsberichte aus den fraglichen Epochen gegenübergestellt. Sutton ist der Fülle des Materials nicht hilflos erlegen, sondern sie findet mit Hilfe einer Kombination aus investigativem Journalismus und einem enormen Einfühlungsvermögen in die beteiligten Menschen zu plausiblen Urteilen. Auch ihre eigenen Gedanken und Gefühle — in manchen