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Daß das Ich vom Es unabhängiger werden soll, ist seit Freuds bekanntem Diktum »Wo Es war, soll Ich werden« in der Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (GW XV, S. 86) erklärtes Ziel jeder Psychoanalyse. Geht dabei aber nicht aus dem Es stammende ursprüngliche Sinnlichkeitverloren? Das ist die eine Frage, die Erdély, geboren 1918 in Deutschendorf (Zips, Slowakei) unter der Hohen Tatra, stellt. Er hat 1964 die damals kommunistische Tschechoslowakei verlassen, um in Deutschland in seiner Muttersprache frei als Analytiker arbeiten zu können. Von Alexander Mitscherlich gerufen, arbeitete er zunächst sechs Jahre am Sigmund-Freud-Institut und wurde später ein allseits geschätzter Therapeut sowie Lehr- und Kontrollanalytiker.
Die Frage, was aus dem Überich werden soll, ist das andere große Anliegen des Autors. Er bezweifelt, daß dieses wichtige psychoanalytische Ziel konsequent genug verfolgt wird. »Ceterum censeo super-ego esse delendam« war der Leitgedanke seines ersten Buches Wie sag' ich's meiner Mutter (, stw 747).
Sein zweites Buch ist nicht weniger radikal in seinem Anliegen. Es läuft darauf hinaus, zu vermuten, daß in vielen Analytikern immer noch eine Art »Schuld-Denken« am Werk ist, das ihr Leben und Arbeiten unbewußt beeinflußt; trotz Lehranalyse und Weiterbildung. Erdély fragt zunächst sich, ob nicht auch bei ihm noch Überich-Muster nachwirken, die Schuldgefühle erzeugen und die Sinnlichkeit unterdrücken. Dann stellt er den praktizierenden Kolleginnen und Kollegen die Frage, ob solche Muster nicht auch bei ihnen ein allzu striktes Einhalten des klassischen Rahmens mit Sessel und Couch mitbestimmen könnten. Auch das Beharren auf der Abstinenzregel ist für den Autor verdächtig als unbewußte Angst vor zu großer Freiheit, vor Sinnlichkeit und Nähe in der Beziehung zwischen den beiden am psychoanalytischen Prozeß beteiligten Menschen. Selbst dann, wenn der Patient oder die Patientin auf der Couch liegt und assoziiert, kann es sein, daß er bzw.