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Es sei vielleicht kein bloßer Zufall, beschließt Freud seine Reflexionen über »Die Widerstände gegen die Psychoanalyse« (), »daß der erste Vertreter der Psychoanalyse ein Jude war. Um sich zu ihr zu bekennen, brauchte es ein ziemliches Maß von Bereitwilligkeit, das Schicksal der Vereinzelung in der Opposition auf sich zu nehmen, ein Schicksal, das dem Juden vertrauter ist als einem anderen.« An der Antipathie der Umwelt gegen die Psychoanalyse jedenfalls habe auch »seine eigene Persönlichkeit als Jude, der sein Judentum nie verbergen wollte«, Anteil gehabt.
So wenig zufällig die Autorschaft der Psychoanalyse auch gewesen sein mag, man hat es hier mit einem Stück Arbeit am autobiographischen Mythos zu tun; und der Autor selber muß dies gewußt haben. Exemplarisch nämlich läßt sich an Freud das ambivalente Verhältnis des Assimilierten zur Tradition der Väter studieren; und noch in dem individuellen Konflikt mit seinem Vater Jakob wiederholt sich eine für die Geschichte moderner Juden typische Konstellation. Die »jüdische Wissenschaft« Psychoanalyse entsprang der Selbstanalyse eines nichtjüdischen Juden, der sich seiner Nicht-Identität — mit der Welt der Väter wie mit der Welt, in der er lebte — in einer bereits vaterlos werdenden Gesellschaft bewußt wurde; und der sich zu einem historischen Zeitpunkt mit der Welt der Väter versöhnte, als sich das Judentum in Europa zunehmend von Verfolgung und Vernichtung bedroht sah. Die Schrift Der Mann Moses und die monotheistische Religion () steht, so die These von Robert Heim, für diese späte Versöhnung; und sie sei »zugleich ein persönliches Dokument seiner [Freuds; W. S.] Liebe für einen zeitlebens umkämpften Vater, vielleicht ein spätes Zeichen der Dankbarkeit, das ein Mann sich für seinen Vater doch selten einzugestehen bereit ist« (S. 32).
Mit diesem Exemplum einer Sohnesliebe also läßt Heim sein Buch über das