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Obwohl dieses Buch in einem bescheidenen Gewand einherkommt, halte ich es für außerordentlich empfehlenswert. Es ist aus einem Symposion hervorgegangen, das die Abteilung für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Tübingen 1997
zu Ehren Heinz Henselers veranstaltet hat. Man erzählt sich, die Tübinger hätten über ihren Schatten springen müssen, um der noch heute von manchen Psychoanalytikern schräg angesehenen Psychosomatik eine Tagung zu widmen. Es hat sich gelohnt.
Einem Tagungsband entsprechend vielgestaltig sind die Beiträge in diesem Buch. Sie zeichnen sich durch die ungewöhnliche Häufung zweier Qualitäten aus: einerseits eines hohen psychoanalytischen Niveaus, andererseits eines ebenso hohen wissenschaftlichmethodischen Reflexionsgrades. Die »Währung« der Medizin ist heutzutage die empirische Forschung, und die Mehrzahl der Beiträge zeigt, wie befruchtend für das psychoanalytische Denken ein empirisches Arbeiten sein kann, wenn es mit der psychoanalytischen Fähigkeit verbunden ist, in die Tiefen der Subjektivität und des emotionalen Erlebens einzutauchen. Mir wurde beim Lesen besonders deutlich, wie unergiebig die erkenntnistheoretischen Debatten über den Wert der Psychoanalyse im allgemeinen geworden sind, und wie ergiebig im Kontrast dazu die konkrete wissenschaftliche Arbeit an psychoanalytischen Themen.
Ich kann hier nicht auf alle Arbeiten eingehen und möchte Martin Teisings Papier über »Die Manifestation psychischer Repräsentanzen des Diabetes Mellitus in Übertragung und Gegenübertragung« als ein besonders gelungenes herausgreifen. Teising extrahiert aus seiner intensiven Erfahrung mit der Psychotherapie von Diabetikern, aus Supervisionen und der analytischen Erstuntersuchung von 50 Patienten eine Differenzierung des Modells der psychischen Repräsentanzen im Hier und Jetzt, die unmittelbar überzeugt. Sie dürfte auch für viele Kranke mit andersartigen chronischen Erkrankungen zutreffen. Teising spricht von der Diabetes-Repräsentanz