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Es macht die besondere Tragik des Sturm-und-Drang-Dramatikers Jakob Michael Reinhold Lenz aus, Beachtung stets nur als Medium der Selbstreflexion »größerer« Autoren, nicht aber um seiner selbst willen gefunden zu haben. So entdeckte Georg Büchner, der den schon in Vergessenheit geratenen Dichter um 1835 als großen Realisten, ja, als Begründer des sozialen Dramas feierte, seinen, nicht den Lenz — und die Lenz-Forschung folgte den Spiegel-Pfaden der Literaten: Seit ihren zaghaften Anfängen ist sie es gewohnt, Umwege zu gehen und den historischen Lenz über den Büchnerschen Lenz aufzusuchen. Mit dem von Burghard Dedner, Hubert Gersch und Ariane Martin herausgegebenen Dokumentationsband über »Lenzens Verrückung« erweist sich die Büchner-Forschung einmal mehr als Spiritus Rector der Lenz-Forschung.
Zeitlich umfaßt die Dokumentation, die in drei Teile — Chronik, Briefzeugnisse und Anhang — gegliedert ist, die im medizinischen Sinn kritische Phase der Entfaltung von Lenzens Schizophrenie: den Zeitraum vom Herbst 1777 bis zum Frühjahr 1778. Die Chronik dieser Krisenzeit bietet einen konzisen Überblick über die wichtigsten Stationen des unsteten Wanderlebens, das Lenz nach seiner Ausweisung aus Sachsen-Weimar führte, und hält die Aufenthalte in Zürich bei Lavater, bei Christoph Kaufmann in Winterthur, den Besuch bei Cornelia und Johann Georg Schlosser in Emmendingen, den für das Manifestwerden der Erkrankung entscheidenden Aufenthalt bei Oberlin und schließlich die Pflege durch Schlosser fest. Den größten Raum des Bandes nimmt jedoch der zweite, dokumentarische Teil ein. Im Zentrum steht der Rechenschaftsbericht des protestantischen Pfarrers Friedrich Oberlin, der den an dementia praecox leidenden Lenz vom 20. Januar bis zum 8. Februar 1778 in seine Obhut genommen hatte. Der kurz nach Lenzens Abreise verfaßte Bericht war die Hauptquelle der 1835 entstandenen, 1838 posthum erschienenen Novelle Georg Büchners und wurde 1839 erstmals publiziert. Mit der Neuedition dieses Berichts