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Nach seiner Abkehr von Wagner, spätestens, wurde Nietzsche zum erbitterten Gegner der Antisemiten, die den Juden nie vergeben würden, daß die Juden »Geist« haben — und Geld: der Antisemitismus, ein Name der »Schlechtweggekommenen«. Deshalb mißtraute Nietzsche den Antisemiten — wie allen Kellertieren voll Rache und Haß. Sie seien vom Willen der Schwächsten zur Macht, also vom Willen zur Destruktion beseelt, der sich moralisch tarnt, bevor er zuschlägt. So wie die christlichen Horden, die es einst mit gutem Gewissen gewagt hätten, Juden, Ketzer und gute Bücher zu verbrennen und ganze höhere Culturen wie die von Peru und Mexiko auszurotten. Die antisemitischen Wiedergänger dieser Heilsverkünder und Unheilstäter bezeichnete Nietzsche deshalb als moralische Onanisten. Und er beschimpfte sie als krankhafte Hunde, vor deren bissiger Verlogenheit und Wut er nachdrücklich warnte. Ihre nationalistische Engstirnigkeit und ihre rassistischen Reinheitsphantasien konterkarierte er durch einen Gegenentwurf: Nietzsche proklamierte ein supranationales Europa und eine europäische Mischrasse, für die der Jude […] ebenso brauchbar und erwünscht sei als irgend ein anderer nationaler Rest. Dem völkischen Hornvieh aber schrieb er ins Stammbuch: Welche Wohlthat ist ein Jude unter Deutschen! Und so, als sei dies nicht genug, bekräftigte Nietzsche seinen Standpunkt auch noch mit der Formel, »gut deutsch sein heißt sich entdeutschen« oder ist […] jüdischer Herkunft.
Wie konnten — bei alledem — die Nationalsozialisten Nietzsches Philosophie für sich reklamieren? Auf diese Frage geben Jacob Golomb, der an der Hebräischen Universität Jerusalem Philosophie lehrt, und Steven E. Aschheim, Hochschullehrer für Kulturgeschichte an derselben Universität, unterschiedliche Antworten. Golomb verweist auf die »kriminelle Fälschung und Manipulation von Nietzsches Werk durch die Nazis« (S. 7), während Aschheim anführt, »daß sowohl die umfassende bio-eugenische, politische und medizinische Vision des Nazismus