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Sigmund Freud legte seiner frühen Neurosentheorie eine traumatische Genese zugrunde. Mit dem Widerruf dieser als Verführungstheorie bezeichneten Konzeptualisierung (1897) rückte die psychische Realität und die Bedeutung der unbewußten Phantasien in den Mittelpunkt der Untersuchung seelischer Phänomene. Heute, über 100 Jahre später, wird in der Psychoanalyse über das Trauma und seine Bedeutung für Theorie und Behandlungstechnik wieder zunehmend diskutiert. Dabei treten sowohl frühere als auch neuartige Gesichtspunkte in den Vordergrund. Verschiedene Eckpunkte dieser Entwicklung sind dabei besonders hervorzuheben:
Die extremtraumatische Erfahrung des Holocaust führte viele Überlebende zur Behandlung bzw. zur Begutachtung wegen Wiedergutmachungsansprüchen zu Psychoanalytikern.
Die Behandlung von Kindern der Überlebenden vermittelte die Erkenntnis, daß traumatische Erfahrungen diesen Ausmaßes auch in das Leben der Kinder eindrangen. »Man made disasters« haben vielfältige transgenerationelle Auswirkungen nicht nur für die betroffenen Familien, sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes und für die Repräsentation des Traumas im kollektiven Gedächtnis und in der Gruppenidentität.
Ein kritischer Feminismus und die gesellschaftspolitische Debatte über patriarchalische Strukturen, Gewalt gegen Frauen und den sexuellen Mißbrauch von Kindern zielte in den 80er Jahren auch auf die Verwerfung der Verführungstheorie durch Freud, die nun eher als eine realistische Darstellung der wirklichen Verhältnisse galt. Die Psychoanalyse wurde dadurch mit dem Vorwurf der Vernachlässigung des sexuellen Mißbrauchs konfrontiert, der durch die Theorie des Ödipus-Komplexes weitgehend aus dem Blickfeld geraten sei.
Die Fortschritte in den Kognitionswissenschaften führten zur Formulierung unterschiedlicher Gedächtnissysteme (implizit-prozedural und explizit-deklarativ) und deren Arbeitsweise. Dies ermöglichte neue Erkenntnisse über die Speicherung traumatischer Erfahrungen.
Die Entwicklung der Neurobio