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T. W. Adorno hat in seinen Vorlesungen zur philosophischen Terminologie einmal Begriffe als Narben unerledigter Fragen bezeichnet. Ein solcher Begriff, der von einer durchaus produktiven Unschärfe umgeben ist, dadurch schwer zu fassen, aber immer wieder anregend, ist im Bereich der Wissenschaften von der Seele der Begriff des psychischen Traumas. Er ist eng mit der Entstehung der Psychoanalyse verbunden, gerät rasch in ein Spannungsfeld zur psychoanalytischen Konflikttheorie und wird von Freud 1920 in »Jenseits des Lustprinzips« noch einmal neu bearbeitet. In den 80er Jahren des gerade zu Ende gegangenen Jahrhunderts lebt die Frage, ob die Psychologie, ob insbesondere die Psychoanalyse, tatsächliche, von außen zugefügte Traumatisierungen übersehen habe, heftig auf. Die internationalen Klassifikationssysteme definieren die posttraumatischen Störungen, und die empirischen Befunde zum Einfluß von Gewalt und von Mißbrauch während der lebensgeschichtlichen Entwicklung auf eine Vielzahl von Störungsbildern verstärken weiterhin das Interesse am Begriff. Dieser aber läßt sich auch auf diese Weise schlecht dingfest machen, so sehr sich auch die Wissenschaften bemühen, ihn entweder möglichst weit und umfassend zu definieren oder ihn spezifisch und eng, der klareren Verwendung wegen, zu bestimmen. In den letzten Jahren entstehen immer neue Varianten der Psychotherapie, um traumatisierten Patienten helfen zu können. Psychotraumatologie ist, so unpassend das klingen mag, eine Wachstumsbranche des Psychobereichs.
Fischer und Riedesser haben ein wichtiges Buch zur rechten Zeit geschrieben. Furchtlos greifen sie die vielen neuen Strömungen der psychologischen, psychiatrischen, biologischen Traumaforschung auf, fassen sie zusammen und erklären (implizit) die Psychotraumatologie zu einer neuen Grundlagenwissenschaft. Diese profitiert von der Psychoanalyse, versäumt aber nicht, andere wissenschaftliche Erkenntnisse und Therapiekonzepte ebenso und gleichberechtigt zu berücksichtigen, se