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Dieses Buch begeistert und schmerzt. Es begeistert, weil es eine ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit ist. Sie besticht durch einen souveränen Umgang mit komplexen methodischen Verbindungen und Beziehungen, die die Autorin herstellt, um ihrem Gegenstand gerecht zu werden. Sieht man ab von den akademischen Lasten, die eine Dissertation zu tragen hat, dann wird man außerdem gewahr, wie leicht und dezent eine wissenschaftliche Sprache sein kann, die es vermeidet, sich vor ihren Gegenstand zu schieben.
Aber nun, der Gegenstand: Forschungsbeziehungen zwischen einer »jüdischen Forscherin« und Männern und Frauen, die gegen das NS-Regime Widerstand leisteten, dafür zum Teil Gefängnis- oder KZ-Strafen auf sich nehmen mußten und später über ihre Erfahrungen in der Öffentlichkeit berichteten. Schmerzlich ist diese Konstellation an sich nicht, im Gegenteil: hier wurden nicht Täter und Mitläufer oder »willige Vollstrecker« und solche, die es hätten werden können, befragt. Schmerzlich ist das Zwischenergebnis der Untersuchung, mit dem sich bestätigte, was Historiker schon wußten, nämlich daß im deutschen Widerstand die Verfolgung der Juden keine dem Sachverhalt angemessene Rolle spielte. Das wußte auch die »jüdische Forscherin«. Vielleicht hielt sie es deshalb auch bei dieser Konstellation für angebracht, den in der empirischen Sozialforschung größtmöglichen methodischen Abstand zwischen sich und ihren Gesprächs- und Interviewpartnern und die mit der größtmöglichen Fremdheit rechnende ethnologische Methode zu wählen. Sie ging davon aus, daß auch die »guten Deutschen« einem »kulturellen Code« folgen, der sich von dem der »jüdischen Forscherin« ethnologisch relevant unterscheidet und entsprechende Komplikationen der Wahrnehmung erwarten läßt. Da sind Brücken nötig, Psychoanalyse und Hermeneutik, um die Abgründe der Fremdheit, die sich in der Forschung auftun, mit einem Gewinn an Verständnis für die Forscherin, ihre Gesprächspartner und ihre Leser überwinden zu können.
Die Wahl der