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Von allen Möglichkeiten, die wir haben, uns dem Holocaust zu nähern, ist das Hören der Berichte von Überlebenden und Augenzeugen sicherlich die direkteste und eindrücklichste. Die Erzählung der Opfer - der Akt, durch den Zeugnis abgelegt wird von extremen traumatischen Erlebnissen -konfrontiert uns nicht nur mit den historischen Fakten, sondern läßt die Zuhörer auch zu Zeugen der langfristigen Folgen der Verfolgung in der Gegenwart werden. Im Unterschied zu dem Wissen, das wir uns in Geschichtsbüchern oder historischen Dokumenten anlesen, die uns den Holocaust als abgeschlossenes historisches Ereignis präsentieren, ist das direkte Empfangen eines Zeugnisses ein Vorgang, der die Distanz zwischen Vergangenheit und Gegenwart schrumpfen läßt und unser Einfühlungsvermögen und unsere Vorstellungskraft unmittelbar herausfordert. Wir fühlen, wie schwierig und qualvoll es für die Überlebenden ist, ihr Trauma zu rekonstruieren und ihre Erfahrungen in Worte zu fassen, und sind gleichzeitig geehrt, verwirrt und verunsichert durch die Bedeutung, welche sie unserer Teilnahme an ihren Erinnerungen und unserem Versuch zu verstehen beimessen.
Was genau geht vor sich, wenn Überlebende und Zuhörer sich zusammenfinden, um ein massives Trauma zu dokumentieren? Können wir stellvertretend zu Zeugen für etwas werden, das wir selbst nicht erlebt haben? Was erwarten die Augenzeugen von uns, und was sind wir zu leisten imstande? Worin bestehen unsere Möglichkeiten, die Zeugnisse einem größerem Publikum zugänglich zu machen? Können Medien die Rolle eines Zeugen einnehmen? Wie beeinflußt die Auseinandersetzung mit den geschichtlichen Ereignissen unsere eigene Position in der Gegenwart?
Mit diesen Fragen befaßt sich der von dem Literaturwissenschaftler Ulrich Baer herausgegebene Sammelband