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Als die amerikanische Journalistin Barbara Ehrenreich die Anfrage erhielt, das Vorwort zur englischen Ausgabe von Klaus Theweleits Männerphantasien zu schreiben, begann für sie eine lange Beschäftigung mit dem Thema Krieg. Zur ihrer eigenen Überraschung nämlich mußte sie statt einer plausiblen und umfassenden Theorie dafür, warum in der Menschheitsgeschichte zu nahezu allen Zeiten und Orten Krieg geführt wurde und wird, »konfuse und ungesicherte Meinungen« der breiten Öffentlichkeit vorfinden bzw. eng umrissenene empirische Studien der Sozialwissenschaft. Barbara Ehrenreich vermißte den aufklärerischen Mut des 18. Jahrhunderts, der noch große Fragen zu stellen und umfassende Theorien zu bilden wagte und in dessen Geist sie sich nun ihrerseits auf die Suche nach Ursprung und Geschichte der Lust am Krieg macht.
Gibt es eine angeborene Aggressivität des Menschen? Sigmund Freud tat sich bekanntlich nicht leicht mit dieser Frage und hat sie in seinem ersten Triebmodell negativ beantwortet. Auch als Alfred Adler 1908 als erster die These von einem selbständigen Aggressionstrieb formulierte, verweigerte Freud seine Zustimmung und blieb dabei, die Aggression als Affekt, aber nicht als Trieb zu begreifen. Daß Freud dann schließlich 1920 doch einen eigenständigen destruktiv-aggressiven Trieb in sein Modell integrierte, erklärt Ehrenreich weniger mit den zeitgenössischen Diskussionen um Sadismus und Masochismus als vielmehr mit der Erfahrung des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte um die Integration eines Aggressionstriebs in die Freudsche Trieblehre markiert über die Psychoanalyse hinaus die grundsätzliche Frage von Ehrenreichs Buch: Ist die menschliche Bereitschaft zur Aggression angeboren oder erworben? Oder in Abwandlung eines Diktums von Norbert Elias: Ist es die Aggression, die die Konflikte auslöst, oder sind es