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In seinem Versuch einer erweiterten und neuen Lesart von Freuds Totem und Tabu geht der Autor in doppelter Weise vor. Zum einen verlängert er die ethnologische Argumentation der ursprünglichen Gründungsgewalt unter Hinzuziehung der Opfertheorie René Girards, der nicht wie Freud im Urvatermord, sondern in der Krise den Beginn der Kulturentwicklung erkennt. Zum anderen konzentriert Haas sich auf die Genese des einzelnen sowie auf die Parallelen zwischen den kollektiven Verschiebungs- und Transformationsvorgängen des Rituals und dem psychoanalytischen Prozeß: Ritual und Psychoanalyse folgen ein- und derselben Dramaturgie. Der Autor exemplifiziert dies unter anderem an Bions Behälterkonzept, Winnicotts Konzeption des Objektsgebrauchs und Loewalds Ansatz des emanzipatorischen Elternmords.
Denn Schuld schafft Geist — und schon umgekehrt: ohne Geist gibt es gar keine Schuld.