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Der König ist tot. Es lebe der König? Jedenfalls fanden die »États généraux de la psychanalyse«, also die »Generalstände der Psychoanalyse«, ihrem historischen Vorbild und Szenarium gemäß vor dem 14. Juli, dem Sturm auf die Bastille, ordnungsgemäß ihr Ende.
Vier Tage lang, zwischen dem 8. und 11. Juli, hatten zuvor — auf Initiative von René Major und Elisabeth Roudinesco und getreu dem allgemeinen Aufruf (vgl. PSYCHE, 53, 97-98) — ca. 900 Vertreter aller psychoanalytischen Stände und Gesellschaften im Amphitheater der Sorbonne an je einem Halbtag sich einem der 6 Themenkomplexe gewidmet, die um Klinik; Ausbildung; die psychoanalytischen Institutionen; Gesellschaft und Politik; Kunst, Literatur und Philosophie; Recht, Neurowissenschaft, Biologie, Genetik kreisten. Grundlage der Diskussionen bildeten die etwa 250 Texte, die seit einem Jahr auf der Internet-Seite der Generalstände für alle lesbar zirkulierten (psychanalyse.refer.org). Sie wurden jeweils vor der allgemeinen Diskussion von Berichterstattern, sog. »lecteurs«, zusammengefaßt.
Für Kontinentaleuropäer verblüffend: das deutliche Übergewicht der südamerikanischen Teilnehmern und damit auch Spanisch und Portugiesisch — und die nicht verborgen bleibende Abwesenheit der Sprache Freuds wie deutscher und im weitesten Sinn deutschsprachiger PsychoanalytikerInnen. Diese Prädominanz der Lateinamerikaner hatte ihre Vorgeschichte: den französischen »Generalständen« war ein brasilianisches Treffen ein Jahr zuvor vorausgegangen. Katalysierende Figur dabei war die brasilianische Psychoanalytikerin Helena Besserman Vianna und ihre herausragende Rolle bei der Aufdeckung der Affäre »Lobo«.
Wie um dem geschichtlichen Modell so weit wie möglich zu entsprechen, war das Selbstverständnis der meisten Teilnehmer anti-institutionell. In diesem Sinne ließ sich auf seiten der Südamerikaner fast so etwas wie eine — nach Art der »Befreiungstheologie« — Befreiungspsychoanalyse beobachten: der Teufel hieß in diesem Fall IPA. Als Gott kö