You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Georg Groddecks Buch Nasamecu, natura sanat, medicus curat. Der gesunde und kranke Mensch gemeinverständlich dargestellt von 1913 gehört nicht von ungefähr zu den meistgelesenen Schriften des Autors. Es ist ein populär geschriebener medizinischer Ratgeber, und wie es sich für dieses Genre gehört, gibt hier ein erfahrener, selbstbewußter Praktiker »gemeinverständliche« Antworten für nahezu alle Lebenslagen. »Dieses Buch«, so schreibt Groddeck in der Einleitung, »handelt vom gesunden und kranken Menschen. Es gibt meine persönlichen Meinungen wieder, es erhebt nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit« (1913a, S. 7). So »gemeinverständlich« der Inhalt daherkommt, der lateinische Titel, natura sanat, medicus curat (Die Natur heilt, der Arzt behandelt), vor allem aber das geheimnisvolle Kürzel Nasamecu (gebildet aus Natura sanat, medicus curat), waren für den gemeinen Verstand alles andere als eingängig. Bei der Neuausgabe des Buches 1976 entschloß sich darum der Herausgeber Helmut Siefert und der Limes Verlag zu einer Korrektur: Aus Nasamecu wurde Die Natur heilt… Die Entdeckung der Psychosomatik. Unter diesem Titel erschien das Buch dann 1984 auch als Taschenbuch im Fischer Verlag.
Der neue Titel ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Augenfällig ist zunächst, daß es sich nicht einfach um eine Übertragung des lateinischen Titels handelt, sondern um eine Verkürzung, daß der Arzt behandelt, diese Seite der Formel, verschwindet hinter den drei Punkten. Im Zentrum steht nun allein die »heilende Natur«. Eine Gewichtsverlagerung mit strategischer Bedeutung, denn die vielbeschworene und oft variierte Rede von der »guten«, heilmachenden und heilbringenden Natur war und ist in den Köpfen der Menschen positiv besetzt. Zumal in den siebziger Jahren, in einer Zeit der aufbrechenden Alternativ- und Ökologiebewegung, als man sich enttäuscht von der Gesellschaft abwandte und sich wieder für die Schöpfung, die Natur zu interessi