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Psychoanalytiker und Neurowissenschaftler hatten sich 1992 für fünf Jahre zu einem »interdisziplinären Dialog« zusammengetan. Die Ergebnisse liegen jetzt, von Dieter Bürgin zuverlässig eingeleitet, auf über 900 Seiten in zwei Bänden vor. Zum gemeinsamen Bezugspunkt haben die Autoren »Gedächtnistheorien«, ein Kernthema des sog. Kognitivismus, gewählt und mit der alarmierenden Botschaft versehen, die Psychoanalyse bedürfe eines »Updating«, wenn sie sich nicht »immer mehr« vom »heutigen Stand der Kenntnis in den Nachbarwissenschaften« Cognitive Science und Hirnforschung isolieren wolle. »Um das Hundertfache«, sagt Solms, sollen sich unsere Kenntnisse über das körperliche Organ des Seelenlebens vermehrt haben: »Kurz gesagt, wir haben ein solides Verständnis der organischen Basis der Psyche aus neurologischer Sicht« (I, S. 422 ff.). Diesem zeitgemäß optimistischen Bekenntnis zur hochtechnologischen Hirnforschung wird eine Psychoanalyse gegenübergestellt, die weiterhin an »liebgewordenen Modellen« hänge, wie sie sich im Lauf von hundert Jahren herausgebildet hätten. Bei einem so nachdrücklich propagierten Erkenntnisgefälle verblüfft die entwarnende zweite Botschaft, »daß es keine unüberwindlichen Mauern zu geben brauche«; man habe »oft vom Brückenbau gesprochen« (I, S. 10, 224). Das klingt gefällig angesichts der Forderung, die Psychoanalyse habe sich dem sogenannten »gültigen Wissen« (I, S. 7) zu fügen. Mit 200 Jahren hat die Neurobiologie immerhin eine doppelt so lange Geschichte wie die Psychoanalyse, verfügt ergo über einen wesentlich ansehnlicheren Reichtum an »liebgewordenen Modellen«. Eine Hirntheorie ist nicht in Sicht; man interpretiert im »unausgesprochenen Konsens« (Singer, 1992). Der Versuch, die Hirnfunktionen in den Griff zu bekommen, verlangt nach operational umsetzbaren Bildern, die das Irrationale, Unsichtbare, Flüchtige bannen sollen, das sich zwischen vielen hundert Billionen Synapsen abspielt. Stets waren es Apparate, die die überzeugenden Hirnmodelle