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»In der freien Schweiz ist kürzlich ein Seminardirektor wegen Beschäftigung mit der Psychoanalyse seiner Stellung enthoben worden«, berichtet Freud in den Vorlesungen. Der Mann war Ernst Schneider, ein Pionier der psychoanalytischen Pädagogik, bis 1916 Leiter des Berner Lehrerseminars. Kaspar Weber hat seine Biographie geschrieben. Er zeigt darin zugleich, wie die Psychoanalyse am Anfang des 20. Jahrhunderts in ein breites Feld von Umbruchstendenzen eingebettet war und wie das ihre Rezeption mitbestimmte. Außerdem wirft er einiges Licht auf die Geschichte der Schweizer Psychoanalyse, über die wir noch viel zu wenig wissen, besonders auf Züge, die der frühen Schweizer Gruppe ein Eigenprofil geben: ihre enge Verflechtung mit der Pädagogik und mit sozialen Reformbestrebungen, auch von linksprotestantischer Seite, ihre Nähe zur akademischen Welt, die relative Unbefangenheit des Kontakts zwischen IPV-Vertretern und Psychotherapeuten anderer Richtung. Nicht zu vergessen eine Neigung zu Sezession und Selbständigkeit.
Schneider war zunächst Primarlehrer und studierte dann auf das gymnasiale Lehramt hin. Vier Semester verbrachte er am pädagogischen Seminar der Universität Jena. Daß er 1905, mit 27 Jahren, Direktor des Berner Lehrerseminars wurde, hatte er der Tatsache zu verdanken, daß er als einziger Kandidat eine »pädagogische Fachausbildung« vorweisen konnte. Von früh an experimentierte er mit Unterrichtsformen zur Überwindung der herkömmlichen »Lernschule« und setzte sich durch Aufsätze und Fortbildungskurse, später auch durch Zeitschriften, die er herausgab, für eine neue Pädagogik ein. Der idealistische Schwung, der ihm und seinen Mitstreitern eigen war, äußerte sich u. a. im Engagement für Bodenreform, Jugendbewegung, Alkoholabstinenz, religiösen Sozialismus und moderne Kunst. Diese teils wissenschaftsgläubige, teils sozial- und lebensreformerische Haltung begründete auch Schneiders Hinwendung zur Psychoanalyse, die er 1911 durch Lektüre kennenlernte. Er nahm Kontak