You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die nachfolgenden Kommentare von Martin Dornes und Martin Altmeyer sind erstmals, wie der Beitrag Gerhard Dahls, im Diskussionsforum der PSYCHE im Internet (psyche.de) erschienen.
Mit der Veröffentlichung dieser Kommentare ist die Diskussion der Thesen von Gerhard Dahl nicht abgeschlossen. Gegebenenfalls werden weitere Stimmen in kommenden Heften der PSYCHE veröffentlicht.
Die Redaktionskonferenz
Gerhard Dahl hat in einem gedankenreichen und weit ausgreifenden Essay ein für die psychoanalytische Theorie wichtiges Thema behandelt. Ich konzentriere mich in meinem Kommentar auf den Teil seiner Ausführungen, der sich mit der psychoanalytischen Säuglingsforschung und deren kritischen Beiträgen zur Theorie des primären Narzißmus befaßt. Im Unterschied zu anderen Autoren (z. B. Wolff 1996, Green 2000; s. dazu Dornes, in Vorbereitung), die die Säuglingsforschung in Bausch und Bogen verwerfen, läßt Dahl die Kirche im Dorf und kommt zu einer differenzierten Einschätzung ihres Stellenwerts. Für seine Diskussion zentral ist die Unterscheidung zwischen der metapsychologischen und der klinischen Theorie des primären Narzißmus.
Unter der Metapsychologie des primären Narzißmus versteht Dahl den hypothetischen Zustand primitiver Libidoverteilung vor und nach der Geburt, in dem noch keine Besetzung der inneren Repräsentanzen eines Objekts stattgefunden hat. Klinisch — und ich würde hinzufügen: entwicklungspsychologisch — beschreibt das Konzept des primären Narzißmus eine in sich abgeschlossene Monade, die unfähig ist, die Umwelt wahrzunehmen. Das Konzept des primären Narzißmus scheint — so Dahl — durch die Ergebnisse der experimentellen Säuglingsforschung über die differenzierten Wahrnehmungsfähigkeiten von Neugeborenen widerlegt zu sein. Die kritischen Einwände sind nach Dahl berechtigt, wenn man Narzißmus als klinischen Begriff verwendet. Wenn man ihn jedoch als metapsychologischen Begriff verwendet, ist er nicht widerlegt. Freud habe das metapsychologische und das klinische Verstä