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Psychoanalytisches Denken unbewußter Seelenvorgänge bewegt sich zwischen den beiden Polen der spekulativen Trieblehre Sigmund Freuds mit der Annahme eines primären Narzißmus und der nicht weniger spekulativen Vorstellung Melanie Kleins von den inneren Objekten mit der Annahme der Existenz unbewußter Phantasien von Geburt an. Beide metapsychologischen Konzepte bilden bis heute den Hintergrund von wissenschaftstheoretischen Debatten, die zumeist in der Beschwörung einer »Krise der Psychoanalyse« münden (z. B. Altmeyer 2000). Sich wandelnde psychoanalytische Auffassungen lassen sich indessen auch als Antworten auf die kritischen Einwände der Nachbardisziplinen lesen. Die kontroversen Diskussionen über Freuds Metapsychologie, nicht zuletzt auch die Auseinandersetzungen 1941-1945 zwischen Anna Freud und Melanie Klein, haben die Psychoanalyse und das psychoanalytische Denken denn auch bis heute stets bereichert und oft entscheidend ergänzt.
Bei der Vielfalt der aktuellen Positionen ist die Psychoanalyse als eine Einheit nur noch schwer auszumachen. Meine Überlegungen zum Schicksal der controversal discussions sind in erster Linie der Versuch einer persönlichen Positionsbestimmung. Der Text verfolgt die Entwicklung der beiden metapsychologischen