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Bettina Schmitz untersucht die Arbeiten Julia Kristevas im Spannungsfeld lebensweltlicher und akademischer Perspektiven. An den Grenzen der Sprache versucht sie eine Vermittlung beider Perspektiven. Ausgehend von zentralen Themen der modernen Anthropologie, fragt sie nach der Verbindung von Individuum und Gesellschaft, von Leib und Denken. Und sie fragt nach dem Ort der Frau.
Kristevas Ansatz arbeitet mit philosophischen, linguistischen und soziologischen Theorien, mit ästhetischen Kategorien und mit der Psychoanalyse. Der dekonstruktivistischen Variante Derridas verpflichtet, geht es ihr wesentlich darum, die enge Verbindung von Sprachbedeutung und Subjektivität in ihrer Entstehung, in ihren Brüchen, in ihrer Veränderbarkeit aufzuzeigen.
Kristeva distanziert sich von der Konzeption eines souveränen Subjekts des Wissens. Es geht ihr um ein sprachliches Subjekt-im-Prozeß. Sprache denkt sie, bezogen auf eine lebendige Alltagssprache, als eine permanente Veränderungspraxis, als einen dialektischen Prozeß von Körper, Sprache und Gesellschaft, in dem Bedeutung entsteht.
Schmitz zieht die Ergebnisse der neueren Säuglingsforschung heran und kann zeigen, daß Kristevas Annahme von Sprache als Übergangsphänomen dem Übergangsobjekt im Sinne Winnicotts entspricht.
Die Autorin stellt überzeugend dar, daß Kristeva in der dritten Phase ihres Werks durch die Untersuchung menschlicher Verlusterfahrungen in Trauer und Melancholie zu einem vertieften Verständnis ihrer Sprachtheorie gelangt. Trauer und Melancholie stellen für Kristeva den grundlegenden Antrieb menschlichen Handelns dar.
Schmitz diskutiert differenziert Kristevas Verwendung des Begriffs der Verleugnung. Kristeva versteht den Begriff im Sinne eines allgemeingültigen Konzepts und beschreibt damit — über einen krankhaften psychischen Vorgang hinausgehend — die Spaltung im Subjekt. Verleugnung steht für Kristeva also in einer grundsätzlichen Beziehung zur Subjektwerdung und zum Mangel.
Im letzten Kapitel des hier besprochenen Buc