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In seinem Aufsatz über die »Wechselseitige Anerkennung und die Arbeit des Negativen« stützt sich Joel Whitebook auf eine Vielzahl von klassischen Theorieansätzen, um eine These zu umreißen, die einen starken Einwand gegen die sogenannten »Habermasianer« darstellt: daß die intersubjektivistische Wende der Kritischen Theorie in sozialisationstheoretischer Hinsicht zwangsläufig zu einem Konformismus führt, der in der Preisgabe der Idee einer Unangepaßtheit zwischen Subjekt und Gesellschaft besteht und daher das von Hobbes bis Freud wachgehaltene Motiv einer »Negativität« des individuellen Selbst verrät. Auch wenn der Vergleich vom Autor nicht selbst gezogen wird, so erinnert seine Argumentation in Absicht und Durchführung doch stark an die Kritik, die Marcuse und Adorno vor rund fünfzig Jahren an den »Revisionen« in der Psychoanalyse vorgetragen haben: War es damals der Verzicht auf die Freudsche Triebtheorie, die als Beleg einer Hinwendung zum Konformismus gedeutet wurde (Adorno 1955; Marcuse 1963), so ist es heute die Verabschiedung des Gedankens einer Asozialität im Subjekt, die als Indikator einer solchen konformistischen Tendenz gelten soll. Natürlich liegt dieser Einschätzung eine bestimmte Idee von den Aufgaben einer kritischen Gesellschaftstheorie zugrunde, die alles andere als selbstverständlich ist und daher einer gesonderten Rechtfertigung bedürfte; denn warum kann eine Gesellschaftstheorie nur dann »kritisch« sein, wenn sie in ihren sozialisationstheoretischen Prämissen von der Annahme ausgeht, daß zwischen individuellem Selbst und gesellschaftlicher Ordnung ein struktureller Konflikt besteht, der sich in Form einer »Negativität« der Subjekte äußert? Ich will aber dieses metatheoretische Problem in meiner Erwiderung ausklammern und mich allein auf den Punkt konzentrieren, der für Joel Whitebook wohl eigentlich von Bedeutung ist; im Zentrum meiner Erwiderung steht daher die Frage, ob und in welcher Weise wir eine vorsoziale Natur im Menschen annehmen sollen,