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Wenn Psychoanalytiker sich mit Aggression beschäftigen, dann geht es in der Regel um aggressive Phantasien und nicht um Gewalt in Aktion. Daß diese Phantasien auch jederzeit in Gewalt umschlagen können, erzeugt Angst, und zwar bei Patienten und Psychoanalytikern gleichermaßen. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum es in der Psychoanalyse bis heute eine umfangreiche Diskussion zum Thema »Aggression« gibt, während die Auseinandersetzung mit den psychischen Hintergründen von Gewalt demgegenüber eher unterrepräsentiert ist. Das von Josine J. Perelberg herausgegebene Buch zum psychoanalytischen Verständnis von Gewalt und Suizid erfüllt alle Voraussetzungen, um diese Lücke zu schließen.
Es basiert auf einem Forschungsprojekt des Anna Freud-Zentrums in London, in dem die analytischen Behandlungen von Patienten untersucht wurden, die als gewalttätig galten. Im Rahmen dieses Projekts trafen sich eine Reihe von Analytikern und Analytikerinnen über mehrere Jahre zweimal wöchentlich, um über die Behandlung ihrer Patienten zu diskutieren, von denen vier gegenüber anderen, zwei gegenüber sich selber gewalttätig geworden waren. Die Aufsätze, die in diesem Buch versammelt sind, spiegeln das Ergebnis der Diskussionen wider. Sie stammen von Rosine J. Perelberg, die als Herausgeberin auch die Aufgabe übernommen hat, die einzelnen Artikel einzuleiten und miteinander zu verbinden, von Peter Fonagy und Mary Target, Donald Campbell, Anthony Bateman, Rosemary Davies und Joan Schachter. Entstanden ist ein fesselndes Buch, das nicht nur einen umfassenden Überblick über die Theorien von Aggression und Gewalt in der Psychoanalyse von Freud bis in die Gegenwart bietet; es ergänzt und erweitert diese Theorien insbesondere auch im Hinblick auf den therapeutischen Umgang mit gewalttätigen Patienten im psychoanalytischen Setting. Im folgenden werde ich auf einige dieser Thesen, über die trotz der Unterschiedlichkeit der diskutierten Patienten beiallen Autoren Übereinstimmung herrscht und die die