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Die Persistenz des Krieges unterläuft offenbar den alten Traum von der Gewaltfreiheit einer aufgeklärten Moderne. Der barbarische Rückfall zivilisierter Gesellschaften in Freund-Feind-Verhältnisse, auch und gerade nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und dem Ende des Ost-West-Konflikts, provoziert Fragen nach dem offensichtlich Irrationalen, dem unbewußt Motivierten, dem wiederkehrenden Verdrängten in diesen Auseinandersetzungen, deren Grausamkeiten nicht nur als bloßer Ausdruck eines atavistischen Kampfes um Macht, Besitz oder Einfluß verstanden werden können. Unter dem Eindruck der Jugoslawienkriege oder des neu entflammten israelisch-palästinensischen Konflikts liest man um so aufmerksamer aktuelle Bücher zum Krieg (oder nimmt ältere wieder zur Hand), die sich auch der Wissenschaft des Unbewußten zum Verständnis solcher Konflikte bedienen: als Beiträge zur Erforschung der Dynamik von kollektiver Gewalt zwischen Großgruppen.
Vamik D. Volkan ist ein US-amerikanischer Psychoanalytiker türkisch-zypriotischer Herkunft, der sich seit 25 Jahren an Friedensmissionen in etlichen Krisen- und Kriegsregionen der Welt beteiligt. Er ist Begründer eines interdisziplinären Universitätszentrums zur Untersuchung von Großgruppenkonflikten und Mitglied im renommierten International Negotiation Network (INN), das von Jimmy Carter geleitet wird. Vor diesem Hintergrund hat er ein Buch geschrieben, in dem er seine Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Diplomatie zusammenfaßt und theoretisch reflektiert. Ergebnis ist erstens eine psychoanalytisch inspirierte Modellstudie zur Dynamikvon Großgruppen und zweitens ein Interventionsmodell zur friedlichen Lösung von Konflikten in und zwischen solchen Gruppen, beides an zahlreichen zeitgenössischen Beispielen vorgeführt.
Im Zentrum von Volkans Analyse steht das, was er »Großgruppenidentität« nennt und im Bild des Gruppenzelts veranschaulicht, das er schon in seine