You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe die Lektüre des Buches mit großem Interesse begonnen. Es verspricht eine gründliche theoretische Darstellung der Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes und vor allem sechs ausführliche nicht-klinische Interviews mit Kindern und Erwachsenen, die ohne Vater aufwachsen oder aufgewachsen sind. Mit diesen Interviews will der Autor dazu beitragen, den durchaus vorhandenen Mangel an Daten in der Forschung zur Bedeutung des Vaters zu schließen.
Befremdet hat mich dann allerdings bei der Lektüre, wie der Autor den Zugang zu den Interviewpartner gewählt und wie er die Untersuchung durchgeführt hat.
Die Beispiele beginnen auf einem Reiterhof, den die Tochter des Autors regelmäßig besucht. Hier sitzt der Autor mit der alleinerziehenden Mutter, die den Hof leitet, abends bei der Vesper am offenen Kamin und führt mit ihr Gespräche über deren Beziehung zu den beiden Vätern der Söhne. Mit den Söhnen wird am nächsten Tag in diesem privaten Rahmen unter allerlei Vorwänden der Versuch unternommen, projektive Kindertests durchzuführen. Als der Autor die Schwierigkeiten dieses Unterfangens realisiert, geht er mit ihnen schließlich sonntags in die Praxis seiner früheren Frau, um doch noch die Tests durchführen zu können. Dieser unkonventionelle Umgang setzt sich fort. Schon besucht am Wochenende eine weitere alleinerziehende Mutter und verbringt dort nach Gesprächen mit der Mutter den ganzen Sonntag alleine mit einem ihrer Söhne. Er trifft zwei ca. 50jährige Männer, die ohne Vater aufgewachsen sind, in seiner eigenen Wohnung und führt dort zeitlich unbegrenzte Gespräche. Schließlich besucht er einen 21jährigen jungen Mann in der Villa von dessen Mutter am Stadtrand von München.
Auf diese Weise trägt er Gespräche zusammen, die den Charakter eines Erfahrungsberichts haben. Sie geben einen Eindruck von der vielfältigen Gestaltung des Schicksals, ohne Vater aufzuwachsen: die Sehnsucht nach dem Vater, die Idealisierung eines unrealistischen Phan