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Der Nestor der Psychotherapie Älterer bleibt auch in seinem neuesten Buch einem aufklärerischen Ansatz treu. Nachdem er die psychoanalytische Praxis weitgehend aufgegeben hat und daher gegenüber seinen Patienten nicht mehr zu einer wohlverstandenen therapeutischen Abstinenz verpflichtet ist, stellt er nun seine umfangreichen Behandlungserfahrungen in beeindruckender Offenheit zur Verfügung. Galt diese Offenheit im Bericht über die erfolgreiche psychoanalytische Behandlung der zu Therapiebeginn 65jährigen Ruth Schweizer (Pseudonym der Patientin) der Reflexion spezifischer Übertragungs-/Gegenübertragungs-/Eigenübertragungsprozesse in der Behandlung Älterer (H. Radebold u. R. Schweizer, Der mühselige Aufbruch, Frankfurt/M. 1996), versucht der Autor hier im Verständnis des Leidens seiner Patienten an »traumatisierenden Gesamtkonstellationen, die nur vor dem geschichtlichen Hintergrund interpretierbar sind«, den Leser einen entscheidenden Schritt weiterzuführen.
Ab 1985 begann Radebold, die Entwicklungs- und Veränderungsmöglichkeiten von über 45jährigen in langfristigen Psychoanalysen und Psychotherapien zu untersuchen. Zu seinem Erstaunen fragten mehr Männer als Frauen eine derartige Behandlung nach. Und alle verfügten über die Erfahrung eines abwesenden Vaters und fast alle über eine durch die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit beeinträchtigte Entwicklung. Bisher hatten sie »gut funktioniert«, litten jedoch