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Das Fremde oder Andere stellt ja bis heute einen oft geradezu religiös aufgeladenen Intellektuellen-Fetisch dar, dessen poetischer Erhabenheit mittels der weihevollen Beschwörungsformeln eines Lacan oder Lévinas gehuldigt wird — dies zumeist auf Kosten von wissenschaftlicher Bodenhaftung. Demgegenüber zeichnete sich die diesjährige Freiburger Arbeitstagung Literatur und Psychoanalyse über Phänomene der Fremdheit durch wünschenswerte kulturwissenschaftliche Nüchternheit und inhaltliche Breite aus. Dabei mag die Vorgabe eines nicht klinisch-psychoanalytischen Mottos eine Tendenz zur Aufweichung des Begriffs und zur polarisierten Debatte befördert haben: Sollen Fremdheitserfahrungen grundsätzlich durchgearbeitet werden oder wäre Fremdheit ein zu Schätzendes und zu Belassenes? (Die poststrukturalistische Inspiration wendet sich hier gegen die hermeneutische Monokulturisierung von sinnlicher Vielfalt, muß aber ihre unfreiwillige Korrespondenz mit neokonservativen Argumentationsfiguren etwa eines Le Pen überdenken.) Freud selbst war das Fremde kein Begriff. Zwar galt es, das »innere Ausland« zu explorieren, aber was die internen Befremdungsgefühle in seiner jungen Institution anbetrifft, projizierte er sie in gewagte kulturanthropologische Spekulationen oder spaltete sie auf die zahlreichen Dissidenten ab (Mario Erdheim). Die moderne Objektverhältnis-Psychoanalyse vertritt demgegenüber: Fremde ist kein Attribut, sondern eine subjektive Erfahrung. Sie stellt sich aufgrund von spezifischen Beziehungsereignissen vergangener Szenen ein; oder aufgrund des unvermerkten Vertrauensmangels unter den Heimischen, den Zygmunt Baumans »behaglicher Antagonismus« bezeichnet: »Es gibt Freunde und Feinde. Fremde stehen jenseits der Vergesellschaftung.« Die jüngste Leitkulturdebatte (oder die Pluralismus-Zentralismus-Debatte in Frankreich) zeugten von jenem Mangel an Vertrautheit mit dem, was als eigene Kultur gelten soll. Fremdheitserfahrungen sind jedoch keineswegs Makel, sondern sozio-k