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Schon vor etlichen Jahren hatte der Pariser Analytiker Béla Grunberger ein Buch zum Antisemitismus angekündigt. 1997 erschien es endlich bei Actes Sud und 2000 in einer deutschen Übersetzung, die allerdings gegenüber der Vorlage erhebliche Kürzungen aufweist. Ein Hinweis darauf wäre wohl sinnvoll gewesen, weil auch die Kapitelzahlen nicht mehr ganz übereinstimmen. Meine folgenden Ausführungen stützen sich auf eine Lektüre des französischen Textes und auf einen weitgehenden Vergleich beider Fassungen. Zitieren werde ich nur aus der Übersetzung. Das Buch ist ein Gemeinschaftsprodukt mit Pierre Dessuant, auch er ein bekannter Psychoanalytiker. Weil es nicht erkennbar ist, wer was verfaßt hat, werde ich in dieser Rezension fast immer im Plural von »den Autoren« sprechen.
Im Epilog fragen sich die Autoren, ob wohl die Welt sich auch künftig dem Antisemitismus werde anpassen müssen, und antworten: »Darauf haben wir keine Antwort, wir haben nur das Mögliche getan, um dieses Übel zu verstehen.« Grunberger ist ja selber Jude und inzwischen 97 Jahre alt. Das Buch dürfte für ihn so etwas wie ein Testament sein, und man ist an Mose erinnert, der vor seinem Tod das »Zweite Gesetz«, das Deuteronomium, schrieb, und auch an Freud, der in fieberhaftem Drang seinen Mose vollendete. Das Buch ist ein höchst persönliches Buch, und wenn man die Episode in der Anmerkung 8 auf S. 23 liest, die Geschichte von dem jüdischen Jungen, der anfangs des 20. Jahrhunderts »verzückt« einer katholischen Prozession zum Fest der Himmelfahrt Mariä beiwohnt und auf Geheiß eines jungen Mädchens, das die Maria verkörperte, brutal in den Staub geworfen wird — wenn man dann noch erfährt, daß dieser Junge später Psychoanalytiker wurde und auf diese Weise das antisemitische »Geheimnis« besser verstand, dann ist es schwer, diese Erzählung nicht als autobiographischen Reflex zu lesen. Und man ahnt etwas von dem Hintergrund, vor dem es geschrieben wurde. Ist ein solch persönliches Buch, das als Hauptautor jemand ha