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So wie Freud Mythen als Beschreibungen von Konstitutionsprozessen der menschlichen Psyche liest, hat die Filmtheorie dem Ödipusmythos die Konstitution des Erzählens entnommen. Im patriarchalen Hollywoodkino dominiert demnach eine ödipale Logik und ihre Gegenüberstellung von mythischem, männlichem Subjekt und rätselhafter Weiblichkeit. Die Filmerzählung folgt dem Muster einer Passage, eines Durchgangs, der aktiv erfahrenen Umwandlung eines Menschen in einen Mann. Die weibliche Position in der Erzählung ist dabei in einem festgelegten Teil des Handlungsraums, den der Held durchschreitet, fixiert. In diesem Handlungsraum bezeichnet und markiert die weibliche Person buchstäblich den Ort, den der Held durchschreitet bzw. auf den er hinschreiten wird.
Vom Winde verweht folgt diesem Erzählmuster nicht, vielmehr scheint das narrative Vergnügen hier paradoxerweise darin zu liegen, die Bestimmung der ödipalen Handlung zu sabotieren. Das Ende ist schmerzhaft, mit panischer Intensität ausgestattet. Ausgerechnet als Scarlett O'Hara realisiert, daß Rhett Butler ihre einzige Liebe mit Bestand war, verläßt er sie. Scarlett kommt also nicht dort an, wo ein moderner Ödipus sie finden kann, um das Versprechen seiner Reise einzulösen. Angeregt durch das psychoanalytische Konzept der Krypta, wie es Maria Torok und Nicolas Abraham in der Betrachtung der Fallgeschichte des Wolfsmanns entwickelt haben, werde ich in der vorliegenden Filmanalyse versuchen, aus der Betrachtung der Arbeitsweise der kryptischen Prozesse Aufschlüsse über eine andere Konstitution des Erzählens zu gewinnen.
Im Fall des Wolfsmannes wurde die Bildung der Krypta in der Psyche initiiert durch die inzestuöse Liebe zur Schwester, die traumatische Verkennung der Urszene, die umfassende Kastrationsangst und schließlich die Unfähigkeit, den Verlust der Schwester nach deren Selbstmord und den des Vaters, nach dessen Tod, zu betrauern. Das Unvermögen, die für immer verlorene Schwester zu introjizieren, führte zur Inkorporatio