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Peter Swales verficht seit langem die These, Freuds Musterbeispiel einer Fehlleistung, das Vergessen des Wortes »Aliquis« in einem Vergil-Zitat (Freud 1901b, S. 13f.), stamme nicht von »einem unbekannten jungen Mann von akademischer Bildung«, sondern sei ihm selbst passiert. Hintergrund sei eine intime Beziehung zu seiner Schwägerin Minna Bernays gewesen, eine daraus resultierende Schwangerschaft sei durch eine Abtreibung beendet worden. Das von Freud in seiner Psychopathologie des Alltagslebens wiedergegebene Gespräch mit jenem jungen Mann sei also fingiert, die angeblichen Assoziationen nachträglich konstruiert worden. Freud mache dem Leser etwas vor, um seine Theorie plausibel erscheinen zu lassen (Swales 1982, 1998, 2000).
Diese These muß in zwei Teile getrennt werden. Der erste Teil betrifft die Identität des »Herrn Aliquis«. Mit Recht kann man anführen, daß Freud ja auch in anderen Fällen Beispiele aus seiner eigenen Geschichte einem unbekannten Fremden unterlegt hat. Für die »Deckerinnerungen« von 1899 hat dies bereits Bernfeld 1946 nachgewiesen. Warum also nicht auch bei der »Aliquis«-Fehlleistung, als deren Hintergrund eine inkriminierende sexuelle Beziehung enthüllt wird, Grund genug, die betroffenen Personen zu schützen? Der zweite Teil der These aber ist anderer Art. Es wird behauptet, das Gespräch habe so gar nie stattgefunden. Die Assoziationen hätten sich nachträglich durch Lektüre ergeben, das ganze Musterbeispiel einer Fehlleistung und ihrer Deutung sei ein Konstrukt, eine Fälschung, mit der eine spekulativ gewonnene Theorie belegt werden sollte. Ein solcher Vorwurf tangiert Freuds wissenschaftliche Aufrichtigkeit und damit einen Grundpfeiler der Psychoanalyse.
Swales argumentiert kenntnisreich und scharfsinnig. Er hat einige vorher unbekannte biographische Fakten aufgezeigt und sie mit Interpretationen von Text- und Briefstellen sowie von Träumen Freuds verbunden, so daß ein imposantes Gedankengebäude entstanden ist. Einzelne Steine dieses Gebäudes,