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Die Filme des dänischen Regisseurs Lars von Trier kennzeichnet ein eigentümlicher Gestus: weder lassen sie sich ganz als ironische, postmoderne Spiele begreifen, noch lassen sie sich ganz auf die Seite eines Kinos der großen Gefühle ziehen. Fast unabhängig von Stoffen und Genres verbleiben sie in einer Ambivalenz, die sich auf den Zuschauer überträgt, der zwischen Faszination und Abwehr gefangen ist. In Breaking the Waves war es die Unbedingtheit der Liebe, die sich als himmlisches Schicksal vollzog und in der Schlußeinstellung den frommen Unterton in eine visuelle Metapher faßte, im wörtlichen Sinne die Wolken aufbrechen und den göttlichen Glanz als Kitschikone Gestalt werden ließ. Die Idioten dagegen gab sich ganz im Stil des cinéma vérité, unterminierte aber den dokumentarischen Stil, mit dem die offene therapeutische Wohngemeinschaft dieser Idioten inszeniert wurde, durch die Doppelbödigkeit eines erweiterten Spielkonzepts, das es unmöglich machte, genau zu unterscheiden, wer für wen den Idioten machte, einen Idioten spielte oder ob es nicht doch immer die anderen waren, die die Idioten sind. Insofern überrascht es nicht, daß Lars von Trier auch in Dancer in the Dark mit Erwartungen in bezug auf Konventionen und Emotionen spielerischen und widersprüchlichen Umgang pflegt, auch hier hat er eine ebenso überraschende wie irritierende Verkehrung filmischer und wirklicher Welten vorgenommen.
Dancer in the Dark erzählt eine melodramatische Geschichte: Anfang der sechziger Jahrein einem kleinen Industrienest im Nordwesten der USA wird von der Laiengruppe eines Walzwerks die Aufführung des Musicals Sound of Music vorbereitet. Die tschechische Emigrantin Selma (Björk) und ihre Kollegin Kathy (Catherine Deneuve) spielen mit, weil sie Musicals lieben und keine Aufführung im Kino des Ortes versäumen. Selma wohnt mit ihrem zwölfjährigen Sohn in einem Wohnwagen auf dem Grundstück des wohlhabenden Polizisten Bill und seiner hübschen blonden Frau. Selma weiß, daß sie erblinden w