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Die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden von vielen als Jahrzehnt der Hirnforschung beschrieben. Große Anstrengungen wurden darauf verwendet, Wahrnehmung, Gedächtnis und andere kognitive Prozesse im Gehirn zu verorten, meist mittels bildgebender Verfahren Hirnregionen einzugrenzen, um sie mit spezifischen Wahrnehmungs- und Gedächtnisprozessen zu verknüpfen. Von diesen Lokalisationsbestrebungen sind auch viele Psychoanalytiker verführt worden, die sich von den neuen Forschungen über Gedächtnis, Denken und Handeln Fortschritte für die psychoanalytische Theorie erhofften. Übersehen wurde dabei nur zu oft, daß mit den bunten Bildern und eingefärbten Hirnschnitten eines unter den Tisch fiel: die kategoriale Eigenständigkeit des Psychischen, des Erlebens und der Bedeutung. Dies betrifft nicht nur Wahrnehmungs- oder Denkprozesse, sondern natürlich auch Traumprozesse. In einer Zeit also, in der neurophysiologische Erkenntnisse oft mit psychologischen Forschungsergebnissen kurzgeschlossen werden, so als ob die Darstellung physiologischer Prozesse im Gehirn etwas über das Erleben aussagen könnte, fällt das Buch Botschaft der Träume von Gaetano Benedetti aus dem Rahmen.
Es ist das Verdienst dieses Buches, einen konsequent psychologischen Zugang zum Untersuchungsgegenstand Traum zu wählen und diesen Weg trotz aller Versuchung angesichts der aktuellen Debatten um die Zusammenhänge von Psychoanalyse und Neurophysiologie beizubehalten. Im eigenen Terrain zu bleiben zahlt sich aus, macht den Gewinn und die Stärken dieses Buches aus, ergibt sich dadurch doch die Möglichkeit, die ganze Erfahrung, über die Benedetti und seine Mitarbeiter im klinischen Umgang mit psychotischen Patienten, mit deren verzerrten Welten und nicht zuletzt mit deren Träumen verfügen, einzubringen. Dabei soll das Buch, so der Hauptautor (neben Benedettis Beitrag finden sich Arbeiten seiner Mitarbeiter Elfriede Neubuhr, Maurizio Peciccia und Philip Zindel), als Versuch einer integrativen Traumtheorie