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In neueren feministischen psychoanalytischen Diskussionen ist eine Dimension in der Mutter-Tochter-Beziehung wiederentdeckt worden, die schon in den 20er Jahren Bedeutung hatte, dann jedoch aus psychoanalytischen Überlegungen verschwand: die Erotik in der Mutter-Tochter-Beziehung. So spricht Karin Bell vom »erotischen Glanz im Auge der Mutter«, der die frühe Lust der Tochter an ihrem Körper bestätigen könne, jedoch oft fehle, weil Schamgefühle und homosexuelle Ängste dominieren. Unter dem Stichwort »lesbischer Komplex« untersuchte Eva Poluda-Korte für die ödipale Phase - deren Beginn sie mit Melanie Klein sehr früh, im ersten Lebensjahr, ansetzt - das Schicksal des auf die Mutter gerichteten aktiven erotischen Werbens von kleinen Mädchen. Es ist das Verdienst der Studie von Johanna Schäfer, eine alle Entwicklungsphasen umfassende Darstellung der homoerotischen Wünsche, Phantasien und Ängste in der Mutter-Tochter-Beziehung erarbeitet zu haben. Die Analysen basieren auf einer Aufarbeitung und Zusammenfassung vorhandener, oft nur Einzelaspekte thematisierender Literatur und der Reflexion eigener Erfahrungen in psychoanalytischen und psychotherapeutischen Behandlungen von Adoleszentinnen und erwachsenen heterosexuellen Frauen.
Auf eindrückliche Weise wird deutlich, daß die Mutter-Tochter-Beziehung von Anbeginn eine körperbezogene erotisch-sinnliche Qualität hat. Stillen und Gestilltwerden, Hautkontakte, Berührungen bei der Körperpflege und genitale Selbsterforschungen des kleinen Mädchens sind im ersten Lebensjahr zentrale Elemente des sinnlich-körperlichen Austausches zwischen Mutter und kleiner Tochter. Mit wachsender Unabhängigkeit von der Mutter gewinnen im dritten und vierten Lebensjahr das lustvolle Präsentieren des Körpers und des Genitals, das sinnlich-erotische Sich-Zeigen und der Wunsch nach entsprechender Anerkennung und Bestätigung an Bedeutung. Ausführlich beschrieben wird das aktive erotische Werben des kleinen Mädchens um die Mutter in der ödipalen Phase