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Brauchen wir heute noch Leuchttürme? Wahrscheinlich wird der Bedarf unterschiedlich sein. Wer im Meer der psychoanalytischen Behandlungstechnik mit seinen Untiefen, Klippen, Stürmen und ruhigen Gewässern gelegentlich nach Orientierung sucht, der findet bei Fenichel jedenfalls eine unerschütterliche Wegweisung und helles Licht. Ernst Simmel hat Fenichel einen Leuchtturm genannt. Etwas altmodisch wirkt der Vergleich heute schon, und natürlich sind Fenichels
Vorträge über Probleme der psychoanalytischen Technik, die er auf Einladung des Wiener Psychoanalytischen Lehrinstituts an fünf Samstagen im Jahr 1936 gehalten hat, in zentralen Punkten nicht mehr auf der Höhe unserer Zeit. Dennoch halte ich sie für absolut lesenswert.
Mit der Edition von Giefer und Mühlleitner haben wir erstmals (!) eine deutsche Ausgabe dieses internationalen Klassikers in der Hand, der, ausgehend von der amerikanischen Fassung von 1938, Generationen von Psychoanalytikern die Richtung gezeigt hat. Einmal mehr stoßen wir auf die Zerstörung unserer mitteleuropäischen psychoanalytischen Tradition durch den Nationalsozialismus. Die für 1938 im Internationalen Psychoanalytischen Verlag projektierte deutsche Ausgabe war durch die Liquidierung des Verlages und die Vertreibung der jüdischen Psychoanalytiker verhindert worden, und seither hat sich - vermutlich, weil keine deutschsprachige Vorlage zur Hand war - niemand an eine deutsche Edition gemacht. So verdanken wir es jetzt Elke Mühlleitner, die das Originaltyposkript in amerikanischen Archiven aufgestöbert hat, daß wir Fenichels Technique gut 60 Jahre später erstmals in ihrer Ursprungssprache lesen können.
Der Text umfaßt in der neuen Edition 80 Seiten und ist hoch konzentriert, wobei Fenichel ihm die eher rhapsodische Sprachgestalt der Vorträge gelassen hat. Er bietet dem heutigen Leser dreierlei: zunächst ein klares Modell des neurotischen Funktionierens und daraus abgeleitet eine ebenso klare Vorstellung von dem, was in der psychoanalytischen Tech