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Im Mai 1987 hielt Ernst Federn in Paris auf einer Tagung der Internationalen Vereinigung für die Geschichte der Psychoanalyse einen Vortrag, in dem er auch auf seine langjährigen Erfahrungen als politischer Häftling in Dachau und Buchenwald einging. Dieser Vortrag bewirkte, ganz im Gegensatz zu seiner bewußten Intention, bei seinem Publikum eine solche Erschütterung, daß er von dem englischen Psychoanalytiker Riccardo Steiner gebeten wurde, ihn zu einem Buch auszuarbeiten. Federns umfangreiche historisierende sozialpsychologische Studie erschien 1990 in London bei Karnac Books und ist nun auch auf deutsch zugänglich. Sie ermöglicht einen faszinierenden, biographisch inspirierten Blick auf das psychoanalytische Gesamtwerk Federns aus den Jahren 1946 bis heute.
Die 18 Kapitel umfassende Aufsatzsammlung ist in fünf Oberkapitel unterteilt: Psychoanalyse in Buchenwald, Sozialpsychologie, Psychologie von Terror und Gewalt, Psychoanalytische Psychotherapie sowie Geschichte der Psychoanalyse. Sie werden durch Vorworte von Riccardo Steiner, Stephan Becker und Federn selbst eingeleitet.
In dem Kapitel »Psychoanalyse in Buchenwald. Gespräche zwischen Bruno Bettelheim, Dr. Brief und Ernst Federn« erinnert der Autor an den »sozialen Ort« (Bernfeld), an dem sein psychoanalytisches Interesse ungewollt geschult wurde: während seiner siebenjährigen Inhaftierung in Buchenwald, wo er als Überlebensversuch gemeinsam mit Bettelheim sowie dem von Reich analysierten und später in Auschwitz ermordeten Otto Brief psychoanalytisch orientierte Gespräche führte. Federn hatte Bettelheim in Buchenwald kennengelernt, woraus eine lebenslange, durchaus nicht unproblematische Freundschaft entstand. Gemeinsam beobachteten sie bei zahlreichen Mithäftlingen den von Anna Freud zuvor in einem anderen Kontext - bei Kindern - beschriebenen regressiven Prozeß der »Identifizierung mit dem Angreifer« (S. 27). Federn, der von seinem Vater Paul Federn ab dem 18. Lebensjahr in die Psychoanalyse eingeführt worden w