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Als Freud in der Traumdeutung das Unbewußte zum Zentralbegriff seines klinischen und metapsychologischen Systems erhob und diesem Begriff eine bis dahin unbekannte Bedeutung gab, war es weder für die Praktiker, die sich der therapeutischen Anwendung der Psychoanalyse verschrieben, noch für die Vertreter der Nachbarwissenschaften, die mit der Psychoanalyse in Berührung kamen, unmittelbar erkennbar, welche lange philosophische Denktradition in diesem Begriff ihren Niederschlag gefunden hatte.
Obwohl es in der Vergangenheit nicht an Versuchen gefehlt hat, die terminologischen Beziehungen zwischen der Psychoanalyse und anderen wissenschaftlichen oder philosophischen Konzeptionen zu klären, blieb eine systematische Untersuchung des Unbewußten ein Desiderat der Forschung. Weil viele dieser Versuche gerade den historisch-systematischen Charakter vermissen ließen, konnte es nicht verwundern, daß die unschwer erkennbare Verwandtschaft bestimmter psychoanalytischer Begriffe mit der Philosophie etwa von Schopenhauer und Nietzsche nicht selten zu der übereilten Schlußfolgerung führte, Freud habe bei diesem oder jenem Denker Anleihen gemacht, ohne die jeweilige Quelle, aus der er schöpfte, angegeben zu haben. Tatsächlich kann eine oberflächliche Betrachtung zu der Vermutung führen, Termini wie »Unbewußtes«, »Widerstand« oder »Verdrängung«, die aus der philosophischen Tradition von Schopenhauer, Herbart, Fechner, Carus, v. Hartmann, Nietzsche u. a. stammen, könnten unmöglich ohne Einfluß auf den Forschungsprozeß von Freud geblieben sein. Es fällt nicht immer leicht zu unterscheiden, in welchem Maß das Motiv, den Begründer der Psychoanalyse einer intellektuellen Unredlichkeit zu zeihen, den Autoren die Feder geführt hat, oder ob die Klärung der gewachsenen Verbindungen oder Berührungspunkte des im Wort Ähnlichen den Hauptakzent der Bemühungen bilden. Indem Günter Gödde sowohl den historischphilosophischen Kontext der Entwicklung derartiger Begriffe entfaltet als auch ihre funktion