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Die Zeit scheint reif geworden, die Geschichte der Psychoanalyse besser verstehen zu können. Wichtige Briefwechsel werden unzensiert veröffentlicht und bisher gesperrte Dokumente zugänglich gemacht. Dies erlaubt uns nicht nur, unsere Ideengeschichte besser verfolgen zu können, sondern auch, die reiche Erbschaft unserer Vorgänger mit allen ihren alternativen Möglichkeiten nutzbar zu machen. Zudem werden auch Interaktionen verständlich gemacht, die bisher im Dunklen lagen. Dieses Buch reiht sich in eine Serie zeitgenössischer ideen- und kulturgeschichtlicher Veröffentlichungen ein, indem es eine sehr gut dokumentierte Übersicht über Michael Balints Leben, seine Welt und sein Wirken gibt.
Die Autorin zeichnet auch ein detailliertes Bild über das, was man die »Budapester Schule« nennen kann, und präsentiert reichhaltiges Bildmaterial. Dazu kommen interessante Reflexionen über Balint-Gruppen und deren Herkunft (der Einfluß Enid Balints, seiner dritten Frau; die Budapester Tradition der Supervision; Bion usw.). Sie zeigt auch, daß trotz (oder wegen?) der Krisen in London Balints Wirken auf fruchtbareren Boden fiel als in Budapest. Darüber hinaus geht sie auf Balints Arbeiten über Säuglinge ein - eine Art Vorläufer der späteren Säuglingsforschung (Spitz, Bowlby, Stern usw.) (S. 117ff.). Leider kommen Balints Beziehungen zu Deutschland (Berlin in den 20er Jahren; die Nachkriegszeit um Mitscherlich, Loch usw.) zu kurz. Das Buch sollte dennoch (vielleicht ergänzt?) unbedingt ins Deutsche übersetzt werden.
Ein wichtiges Kapitel der Psychoanalyse nach dem Zweiten Weltkrieg in London wird so in glaubwürdiger Weise durchleuchtet. Zugleich ist dieses Buch ein bedeutender Beitrag zur Geschichte der Psychoanalyse im allgemeinen und besonders zur Erbschaft der Budapester Tradition, die auf Ferenczi zurückgeht. Balints Hauptinteressen, die Gegenübertragungsproblematik, die technischen Aspekte der psychoanalytischen Praxis, Probleme der Ausbildung, mit einer beträchtlichen Freude am Expe