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Die italienische Sprache legt einen Zusammenhang zwischen Übersetzung und Verrat nahe: traduttore / traditore. Mit diesem Sprachspiel ist ein Grundproblem jeder Übersetzung angesprochen: Sie gibt das Original nicht einfach und ungebrochen wieder, sie ist niemals reine Abbildung. Muß sie deshalb schon Verrat sein? Kann sie nicht auch wohlwollender, ja »liebender« Neuentwurf eines Textes sein? Walter Benjamin hat diese Frage in seinem Vorwort zur Übersetzung von Baudelaires »Tableaux Parisiens« aufgeworfen (Benjamin 1923). Übersetzung als liebendes Sich-Anbilden, das ist die Aufgabe der Übersetzung.
»Wie nämlich Scherben eines Gefäßes, um sich zusammenfügen zu lassen, in den kleinsten Einzelheiten einander zu folgen, doch nicht so zu gleichen haben, so muß, anstatt dem Sinn des Originals sich ähnlich zu machen, die Übersetzung liebend viel mehr und bis ins Einzelne hinein dessen Weise des Meinens in der eigenen Sprache sich anbilden, um so beide wie Scherben als Bruchstück eines Gefäßes, als Bruchstück einer größeren Sprache erkennbar zu machen« (S. 18).
Jacques Derrida hat diesen Text aufgegriffen und vor allem die »Bewegung der Liebe«, die in der Übersetzung liegt, weiter gedacht und die Sinnlichkeit ebenso wie die Gestaltungskraft des Übersetzers sprachlich herausgearbeitet: Der Übersetzungsvertrag sei wie ein
»Heiratsvertrag, dem das Versprechen innewohnt, ein Kind zu ersinnen, dessen Samen Geschichte und Wachstum zeitigen wird […] Benjamin sagte es, in der Übersetzung wächst das Original, es wächst und reproduziert sich nicht einfach - hinzufügen würde ich, daß es wächst, wie ein Kind, wie das Kind des Originals, aber wie ein Kind, das die Gabe hat, selber zu sprechen, ganz allein: diese Gabe, dieses Vermögen, diese Kraft macht ja aus einem Kind etwas anderes als bloß ein Erzeugnis, das dem Gesetz der Reproduktion untersteht« (Derrida 1997, S. 147 f.).
Diese Frage der Übersetzung kann für den Psychoanalytiker nicht gleich