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Der Einfluß des Psychophysikers Gustav Theodor Fechner auf das Freudsche Denken gilt als wissenschaftshistorisch gesicherte Tatsache. In einer vergleichenden Relektüre Freud-Fechner kann der Autor dagegen zeigen, daß die Bedeutung Fechners für die psychoanalytische Theoriebildung ein rezeptionsgeschichtlicher Mythos ist: Zwischen beiden Denkern besteht - trotz identischer Begrifflichkeiten (»Lustprinzip«, »anderer Schauplatz«) - eine grundsätzliche Inkompatibilität. Fechners Schwellenkonzept und seine Anwendung des Weberschen Gesetzes zur Messung von Reizen und Empfindungen stehen dem sprachlichen Paradigma der Psychoanalyse diametral gegenüber. Freud kann, anders als Fechner, das Bewußte als Teilmenge des Unbewußten verstehen und somit - auch im Gegensatz zu Breuer - eine Kontinuität zwischen bewußten und unbewußten Zuständen denken, die der Fechnerschen Psychophysik mit ihrem Konzept des »physiologischen Unbewußten« verschlossen bleibt.