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Zu den erschreckendsten Reaktionen auf die Terroranschläge vom 11. September gehörte eine Äußerung des Komponisten Karlheinz Stockhausen, die hier wörtlich wiedergegeben sei:
»Was da geschehen ist, ist - jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen - das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat. Daß Geister in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nicht träumen könnten, daß Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch für ein Konzert, und dann sterben. Das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. Stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist. Da sind also Leute, die sind so konzentriert auf eine Aufführung, und dann werden 5000 Leute in die Auferstehung gejagt, in einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts als Komponisten« (zit. nach DIE ZEIT, Okt. ).
Stockhausen hatte bei dieser spontanen Äußerung wohl gar nicht im Sinn, in welcher Tradition er stand - etwa derjenigen Wagners, mit dem er den Hang zum Grandiosen gemein hat, und der vom Tod von vierhundert Juden beim Wiener Ringtheater-Brand zu Witzen inspiriert wurde (Adorno 1952, S. 23). Spätestens seit Wagner, von dem Susan Sontag sagte, er wäre, im 20. Jahrhundert geboren, unfehlbar Filmregisseur geworden (1980, S. 165), spielen grandiose Zerstörungsphantasien in der Kunst eine unübersehbare Rolle. So zitiert Walter Benjamin aus dem Manifest zum Äthiopienkrieg des futuristischen Schriftstellers Marinetti:
»Seit siebenundzwanzig Jahren erheben wir Futuristen uns dagegen, daß der Krieg als antiästhetisch bezeichnet wird … Demgemäß stellen wir fest: … Der Krieg ist schön, weil er dank der Gasmasken, der schreckenerregenden Megaphone, der Flammenwerfer und der kleinen Tanks die Herrschaft der Menschen über die unterjochte Maschine begründet. Der Krieg ist schön, weil er die erträumte Metallisierung des menschlichen Körpers inauguriert. Der Krieg ist schön, weil er eine blühende Wiese um die feurigen Orchideen der Mitrailleusen bereichert. Der Krieg