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Die empirische Säuglingsforschung hat in den letzten Jahrzehnten das Bild des Säuglings und Kleinkindes weithin revolutioniert. Neue filmtechnische Mittel ermöglichten Fortschritte in der Technik systematischen Beobachtens. Die Aktionen des Säuglings und vor allem die Interaktionen innerhalb der Mutter-Kind-Dyadekonnten aufgenommen und in kleinsten Sequenzen analysiert werden. Zusammenfassende Darstellungen brachten das Bild eines Säuglings hervor, wie wir es in der Psychoanalyse noch nicht kannten. Er wandelte sich von einem passiven Neugeborenen und vom Objekt noch ungetrennten Wesen zu einem adaptierten Säugling, der von Anfang an über eine rudimentäre Selbst- und Objekt-Wahrnehmung verfügt und aktiv an der Regulation der Beziehung beteiligt ist. Zudem beschränkte sich die Säuglingsforschung nicht auf die beobachtbare Verhaltensebene, sondern machte differenzierte Aussagen über die entstehende subjektive Innenwelt. Viele klinisch gewonnene Auffassungen und empirische Erkenntnisse aus der bisherigen Säuglingsforschung, wie etwa die Arbeiten von Margaret Mahler, standen nun in Frage - mit ihnen das Bild eines Kindes, das in der analytischen Behandlung aus der im Unbewußten aufbewahrten und dort aktiven infantilen Psyche rekonstruiert wurde. Ein schon lange bestehendes Nebenund Gegeneinander von empirischer Säuglingsforschung, Kleinkindbeobachtung und psychoanalytisch-klinischer Entwicklungstheorie geriet in eine neue, herausfordernde Auseinandersetzung. Erinnern wir kurz daran, daß die Beziehung beider eine lange Geschichte von Befruchtung und Widerspruch hat. Schon Freud erwog Vor- und Nachteile: »Die Kindheitsbeobachtung hat den Nachteil, daß sie leicht mißzuverstehende Objekte bearbeitet, die Psychoanalyse wird dadurch erschwert, daß sie zu ihren Objekten wie zu ihren Schlüssen nur auf großen Umwegen gelangen kann; in ihrem Zusammenwirken erzielen aber beide Methoden einen genügenden Grad von Sicherheit der Erkenntnis« (1905d, S. 101f.). In den Controversial Dis